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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Man fing damit an, jedes schone Uberbleibsei des Alter-thums wie ein kostbares Kleinod zu betrachten; man wallfahr-tete nach antiken Bildsäulen und Ruinen. Bereichert mit denSchätzen der alten Kunst, kehrte der Künstler wieder in seinVaterland zurück, und mit ihm der wohlthätige Genius, wel-cher neue Warme und neues Leben um sich her verbreitete.

So wie der gebildete Geist im Denken Ordnung, Lichtund Klarheit liebt, so muß auch in der Kunst das Wohlgeord-nete, was leicht zu durchschauen und ohne Mühe zu umfassenist, vor dem Verwickelten, Verwirrten und Unbehülflichenuothwendig den Vorzug haben.

Auf Leichtigkeit der Übersicht kommt ja im Denken allesan, und so auch in der Kunst. Alles, was daher die leichteÜbersicht des Ganzen stört, mag es, an sich und einzeln betrach-tet, auch noch so vielen Reiz haben, ist in der.Kunst eben soverwerflich, als in Gegenständen des Denkens ein mäßigesSpiel der Einbildungskraft ist, das nicht zur Sache gehört.

So wie Jemand, der eine Sache deutlich einsieht, siemit der leichtesten Mühe bearbeitet, da hingegen ein Anderermit der größten Anstrengung nicht zu seinem Zwecke gelangt:so ist auch der Künstler nur durch die leichte Übersicht seinesGegenstandes mächtig, durch die Kunst auf das Gemüth zuwirken, und die Aufmerksamkeit zu fesseln. Denn indem eralles Einzelne so darzustellen weiß, daß man dadurch nicht be-friedigt, sondern immer auf ein größeres Ganze hingezogenwird, hat er das Gemüth gleichsam in seiner Gewalt, undwirkt unwiderstehlich auf dasselbe.

Dieser erste Grundsatz ist so fest, daß gar kein Zweifeldagegen Statt findet: wer die einzelnen Theile oder die Ver-zierungen in einem Kunstwerke so hervorstehend macht, daßmeine Aufmerksamkeit dadurch zerstreut, und die Übersicht desGanzen mir dadurch erschwert wird, der hat auch gewiß dasGanze selbst verunstaltet, statt es zu verschönern.

Wie nun die männliche Denkart sich dadurch von der kin-dischen unterscheidet, daß sie einen festen Plan verfolgt, und