des Nachdenkens, der Freyheit, und der selbstgewählten Be-schäftigung. Schon der bloße Anblick der Natur und ihrer Ab.Wechselungen biethen dem geschäftlosen Manne eine immer be-reit liegende Quelle von Vergnügen und Unterhaltung, undvielleicht die einzige dar, die aus lange Zeit aushält, und ganzin seiner Gewalt steht. Aber wie reich ist diese Natur nicht erstan Geistesnahrung und Arbeitstoff, sür den, welcher sie ent-weder in ihrer verborgenen Wirksamkeit zu beobachten weiß,oder der sich durch die Empfindungen, welche sie erregt, zuhoher« Betrachtungen erwecken läßt. Welch glücklicher Zustand,wenn der Mensch einen, zwar nur sehr kleinen Theil des gro-ßen Universums, geschmückt mit allen Reizen des Frühlings,vor sich liegen, und dessen lebendige Kräfte sich vor seinen Au-gen entwickeln sieht, indem er zugleich über das Ganze, überden Ursprung desselben, über seine empfindenden und vernünf-tigen Bewohner, über die Veränderungen, die mit denselbenvorgegangen sind, und über die vermuthlichen Schicksale, fürdie sie aufbehalten sind, nachdenkt.
Nie wird mir das Alterchum und die Geschichte interes-santer, als wenn die gemeinschaftlichen Objecte, welche alleGenerationen gesehen, und die gemeinschaftlichen Freuden,welche alle genossen haben, mir eben jetzt gegenwärtig sind,und Sinne und Verstand beschäftigen. Auch sie, jene Heldenund Weisen der Vorzeit, sahen diese Sonne, und erwärmtensich an ihren Strahlen; auch sie freuten sich des wiederkehrendenFrühlings, und wurden auf ihren Fluren und Wiesen von den-selben Gestalten, Farben, Tonen, Gerüchen, als ich, ergehtund erquickt. Oder ist es die unsichtbare Welt, der Geist desMenschen, Gott, und die Zukunft, auf welche mein Nach-denken gerichtet ist: was führt mich mehr in sie hinein, wasunterstützt das Bestreben der Vernunft, über die Sinnlichkeirempor zu steigen, durch mehr analoge Empfindungen, als diein die Augen fallende Harmonie von Himmel und Erde,zum Entstehen und Wachsen der künstlich gebauten Pflanzen,zum Leben und Vergnügen der empfindenden Thiere. Kommen