Druckschrift 
2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

ooL

weil keine größere Störung sie abruft: dann kann sie denMenschen hoch erheben/ und der Welt wichtige Dienste leisten.

Aber für den unvollkommenen Mensche»/ der noch aufden ersten Stufen seiner Ausbildung steht, ist Muße kein schick-licher Boden, in dem er gedeihen könnte. So wie bey allenMenschen äußere Gegenstände zuerst die Sinne in Bewegungsetzen müssen, ehe ihr Verstand anfängc sich zu äußern: somüssen bey den meisten Menschen aufgegebene Geschäfte erstihre geistigen Kräfte in eine regelmäßige Wirksamkeit bringen,ehe sie, sich selbst überlassen, zur Vervollkommnung des Men-schen selbst, oder zum Besten der Welt mit Erfolg arbeitenkönnen.

Der dumme Mensch schläft ein, sobald er mit seinen Hän-den und Füßen nichts mehr zu thun hat. Der halbgebildeteGeist verlangt wenigstens einen ihm von Andern für sein Nach-denken vorgelegten Gegenstand; er hat eines Anstoßes undeiner Richtung nöthig, die ihm nur durch die Pflichten eines ge-wissen Amtes oder durch die Geschäfte eines bestimmten Berufsgegeben werden können. Es sind nur die ausgewählten Men-schen; die, wie Cicero es vom Africanus sagt, dann am leb-haftesten sich zu beschäftigen wissen, wenn sie am meisten vonaller Nothwendigkeit zu arbeiten frey sind.

Die taumelnde Bewegung der Sonnenstäubchen ist dasBild unruhiger Geschäftigkeit; die Bewegung der himmlischenKörper ist das Bild der thätigen Muße. Die Eile und das be-ständige Zurückprallen ist der Charakter der ersten ; die Bestän-digkeit und das sichere, obgleich langsame Gelingen zum Zieleunterscheidet die zmeyte.

Wer könnte von der Muße reden, ohne des Landlebensund der Wissenschaften zu gedenke»? An keinem Orte ist dieMuße so erwünscht, als auf dem Lande; mit keinem Gegen-stände kann sie so völlig ausgefüllt werden, als mit der Culturder Wissenschaften. Die Stadt ist der Sammelplatz der Ge-werbsarbeiten, der Standort der Regierungsgeschafte und derZerstreuungen: das Land ist der Aufenthalt der Ruhe, der Sitz