3o3
liegen, ohne die jedoch der höhere nicht bestehen kan». EigeneLehrer werden den akademischen Zöglingen die großen Bilderdes Alterrhums Vorhalten, sie in die Geheimnisse einweihen,durch welche in den Jahrhunderten elastischer Kunst dem schüch-ternen Talente der Weg zur Vollendung gezeigt, der ungere-gelten Phantasie Schranken gesetzt wurden. Jene Vorkennt-niffe, welche der Künstler in später» Jahren nur selten, unddann um den Preis mancher kostbaren, für die Ausübung ver-lornen Zeit erkauft, werden ihm in der neuen Lehranstalt alseine der ersten Grundlagen aller sernern Bildung beygebrachtwerden. Mit unverwandtem Fleiße der Professoren, unter einerzweckmäßigen Leitung der Vorsteher der Akademie, wird auchWien einst Schulen besitzen, jenen gleich, welche Italien unddie Niederlande unter so verschiedenem Einflüsse des Klima unddes National-Charakters der Nachwelt zum unerreichten Musterausstellten.
In einem Staate, in «velchem wahrer Kunstsinn so regeist, als bey uns, in welchem reiche Privaten in großer Mengeden Künstler zu unterstützen bereit sind, tritt noch ein anderesBedürfniß ein. Dem angehenden Künstler muß die Möglich-keit, sich bekannt zu machen, dem bereits sich Gebildeten müs-sen Aufmunterung durch zweckmäßige Eoncurrenz, und Mitteldes Absatzes verschafft werden. Frankreich und England sindseit Jahren mit dem Beyspiele öffentlicher Ausstellungen derKunstwerke vorangegangen. In den Gallerien lebender Künst-ler werden die Fortschritte der Kunst von Periode zu Periodeam sichersten beurtheilt; hier strebt der Schüler nach der Palmedes Meisters; hier fürchtet der Meister von dem Schüler über-troffen zu werden. Die Ehrliebe, dieß allbelebende Gefühl,bemeistert sich der Coneurrenten; das Handwerk verschwindet,die Kunst tritt an seine Stelle. Se. Majestät der Kaiser habendemnach Ausstellungen der Werke vaterländischer Künstler an-geordnet. Die erste dieser Ausstellungen ist auf das Jahr a8i3,nach eigenen von der Akademie sestzusetzenden Grundsätzen,bestimmt. Von drey zu drey Jahren werden die Ausstellungen