, 3oi
bar daliege. Die Akademie, bis dahin reine Kunstschule, war nochin keiner Berührung mit den Manufacturisten. Er schuf dem-nach eine eigene technische Schule; der Geschmack des täglichenVerkehrs sollte durch sie geleitet, an richtige Begriffe und festeGrundsätze gewohnt werden; Österreich sollte, dem WunscheJosephs gemäß, keinem andern, durch Fabrik-Industrie aus-gezeichneten Staate nachstehe». Seine Absicht war, die Kunstallgemein anwendbar, also allgemein nützlich zu machen. ImJahre 1789 wurde, dieser glücklichen Idee zufolge, die Aka-demie mit allen Zweigen der Kunstgewerbe in Berührung ge-setzt; jeder sollte an ihrem wohlthatigen Einflüsse Theil haben;sie wurde die Behörde, welche über die Fähigkeit zur Erhal-tung irgend eines Meisterrechts zu entscheiden hatte. Daß dieAbsichten des großen Monarchen nicht unerreicht blieben, be-zeugt eine tägliche Erfahrung. Erwägen wir die stürmischen,verheerenden Zeiten, welche mit den letzten RegierungsjahrenKaiser Josephs begannen; berechnen wir den widrigen Einflußsolcher Störungen auf Ausbildung der Künste in rein scienri-fischer und technischer Hinsicht, und erinnern wir uns, daßdennoch in ebendiesen, durch ein und zwanzig Kriegsjahre be-zeichneten Zeitraum, das glückliche Emporblühen zahlloser Ma-nufakturen und Fabriken fiel: so zeigt sich, wie tief berechnetdas System der frühem Regenten, wie wirksam und frucht-bringend der Schutz ihres Nachfolgers war.
Wir, meine Herren, stehen nun auf einer Stelle, aufwelcher wir großen Verpflichtungen Genüge zu leisten haben.Wir sind unfern Vorgängern von dem Gebrauche der reichenErbschaft, die sie uns hinterließen, Rechenschaft schuldig. Un-sere Zeitgenossen haben das Recht, von uns Vervollkommnungder Kunst zu fordern; unsere Ehre erheischt, daß wir demDanke der Nachkommen entgegen streben. In diesem Sinnebeleuchteten wir die bisher bestandenen Institutionen. In allenihre» Grundzügen richtig, schienen sie uns in mancher täglichenAnwendung mangelbafk. Ein wesentliches Bedürfniß war noch