ic)5
tur war nur ein Widerschein der griechische», war einseitig,mehr auf die Wissenschaften als auf die Künste gerichtet, undartete zuletzt in blinde Nachahmungssucht aus. Anfangs warenste für alle Künste und Wissenschaften unempfindlich. Ihre Be-strebungen waren nur auf die Vergrößerung ihrer Macht ge-richtet. Was unmittelbar darauf hinführte, wie Krieg, Acker-bau und Politik, stand bey ihnen in Ansehen; was aber nurmittelbaren Vortheil versprach, oder wovon sich beym erstenAnblick kein merklicher Vortheil zeigte (wie dieß bey denKünsten und Wissenschaften der Fall ist), wurde von ihnen ver-achtet oder geringschätzig behandelt. Daher widersetzte sich deraltere Cato der Aufnahme der griechischen Philosophen in Rom;daher fand es noch Cicero für nölhig, sich wegen seines Stu-diums der Philosophie zu entschuldigen; ja aus dieser Richtungihres Geistes auf das bloß Praktische läßt es sich vielleicht aucherklären, warum selbst nachher, als die. griechische PhilosophieEingang bey ihnen gefunden hatte, mehr der praktische als derspecii^ative Theil derselben von ihnen bearbeitet wurde. Vielesänderte sich freylich, als die Römer durch ihre Kriege in ent-fernter» Ländern mit den Reichthümern und Sitten, mit denKünsten und Wissenschaften fremder Völker bekannt wurden.Von nun an schmeichelte es ihrem Stolze, sich die Kenntnisseeigen zu machen, die sie bey den von ihnen besiegten Völ-kern fanden, und von denen sie sich Unterhaltung und Ver-gnügen versprachen. Jetzt mußten ganze Scharen gelehrterGriechen nach Rom wandern, um daselbst Unterricht in denKünsten und Wissenschaften zu ertheilen. Von griechischenSclaven wurde der Knabe geleitet, der Jüngling von grie-chischen Lehrern unterwiesen, und der werdende Mann reistenach Griechenland, um sich hier in dem Mutterlande des Ge-schmacks völlig auszubilden. Es konnte nicht fehlen, daß diesesStreben nach Bildung gute Wirkungen hervor brachte; undwirklich sieht man, daß die Römxr seit der Eroberung Korinthsbis zu den Zeiten der ersten Kaiser beträchtliche Fortschritte inLen j Wissenschaften, in der Beredsamkeit, Poesie, Histono-
N 2