Durch den Krieg wußte» sie sich zuerst das Primat über die be,nachbarten Städte zu verschaffen, dann die Herrschaft über ganzItalien, dann die Unterdrückung ihrer Nebenbuhler, und endlichdie zahlreichen Eroberungen, durch die sie die ganze damahls cul-tivirte Welt umfassten. Durch den Krieg wurden sie also groß;ihm verdankten sie ihre Macht, ihr Ansehen, ihre Reichthümer,ihre Erfahrungen, und zuletzt ihre nähere Bekanntschaft mit denWissenschaften. Liegt es nun einem Geschichtschreiber ob, zuzeigen, wie ein Volk das wurde, was es war: so sieht manleicht, daß beym Vortrag der römischen Geschichte vorzüglichihre Kriege und Eroberungen berücksichtiget, und insbesonderegezeigt werden müsse, wie es kam, daß die Römer so mächtigwurden. Ihre Kriege und allmählige Vergrößerung, sammtallem, was dazu diente, also ihre Staatsverfassung und Po-litik, ihre Beförderungsmittel des kriegerischen Geistes, dieArt, wie sie die Religion mit ihren Staatsangelegenheiten ver-webthatten, die Lage und Beschaffenheit ihrer Nachbarn undaller andern Völker, die sich unter ihr Joch beugen mußten —diefi alles genau zu schildern, muß der vorzügliche Zweck dessenseyn, der eine pragmatische Geschichte der Römer liefern will.
Ganz anders ist es bey der Geschichte der Griechen. Zwarhaben sie auch viele Kriege geführt, manche Eroberungen ge-macht, und zahlreiche Colonien nach allen Weltgegenden hingegründet: aber dennoch machen ihre Kriege und Eroberun-gen nur Nebensache bey ihrer Geschichte aus. Die Künsteund Wissenschaften, die in ihrem Schooße aufblühten, dieFortschritte, die sie in beyden machten, der hohe Grad vonästhetischer und intellectueller Bildung, zu dem sie sich emporschwangen — dieses alles näher kennen zu lernen, ist Haupt-sache bey dem Studium ihrer Geschichte. Ihre Kriege gegeneinander — anfangs nur gegenseitige Befehdungen zur Erwer-bung oder Sicherung fester Wohnplätze, waren in der Folgedie Wirkung stolzer Herrschsucht» oder ehrgeiziger Eifersucht;und gern wendet sich das Auge des Menschenfreundes von die-sen unedlen Leidenschaften der Grieche» hinweg (wiewohl hier