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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
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Töchter. Es ist doch nicht die Liebe?

Vater. Es ist so etwas. Wir wollen es aber, des miß-brauchten Wortes wegen, nicht Liebs, sondern Trieb desHerzens nennen. Wenn er die Wächterinn von außen nichrstört und nur unter dem wählt, was der Verstand nicht fürvöllige Contrebande erklärt hat, so wählt er in Geschäften desHerzens viel richtiger als der Verstand; er sieht auf eine unsunbegreifliche Art sehr tief, fühlt innig; dazu umfaßt er warmund feurig, und wenn er gut gewählt hat, verwahrt er aufewig. Bekränzt also euer Herz von allen Seiten, nur pvstirl'snicht vor den Verstand, sondern hinter ihn und auf einen schö-nen freyen Platz, aus dem Thorgedränge hinaus, in eineschöne Gartengegend. Macht ja , daß außer der Verstandespfortenichts zu ihm komme, und daß es nicht zu vielen Überlauf habe;das letzte um seiner eigenen Freyheit und Ruhe wegen, daß esseine Wahl frey behalte und nicht bedrängt werde.

Töchter. Wir wollen's also in eine holdeWüste mahlen.

Vater. Auch das eben nicht; denn da kommt vielleichtnichts Gescheides zu ihm, und so muß es sich (leer will's ein-mahl nicht bleiben) mit Ungeheuern behelfen. Die rechte Distanzzu treffen, ist die größte Klugheit des Lebens.

Töchter. Aber, Vater, wenn's Flügel hätte, und rücktebald näher, bald weiter?

Vater, klm Gottes willen, keine Flügel! Ich kann ein-mahl die geflügelten Herzen nicht leiden. Euer Herz muß Ruhefinden und festen Standpunet; es muß ein beständiges, treuesHerz werden, sonst flieht ihm seine Wächterinn von außen,und der Wächter von innen fliegt sich matt, wund, arm undtodt. Zuletzt will niemand mehr zu euch, denn er weiß ja nicht,wo ihr morgen mit ihm hinaus wollt.

Töchter. Aber, Vater, der Trieb, den Sie so hübschund beredt zum inner» Herzenswächter machten, wie kann erbesser angedeutet werden, als durch Flamme und Flügel?

Vater. Daß ihrMädchen doch immer recht haben wollt!Und ich sage euch, Flügel und Flamme taugen nichts zum Her-