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wir brauchen doch nicht Alles aufzunehmen, was durch jenesWindthor kommt?
Vater. Beyleibe nicht! da würde euer Kammerchenbald viel zu klein seyn. Nehmt auf/ was euch das Beste, dasLieblichste dünkt, was ihr kennt, mit dem ihr freundschaftlichund vertraut seyd; das Übrige behilft sich auf den Straßen.Eure Wohnung muß ein kleines Heiligthum bleiben.
Töchter. Und über diese Auswahl hat der Verstandnicht zu commandiren?
Vater. Zu commandiren nicht, aber brüderlich und mitGründen zu rathen; ihr könnt ihm aber auch abschlagen, waser begehrt, denn das Herz ist und bleibt Herr über seine eigeneWohnung; es ist nicht Sclavinn, wo es nicht gern und mitÜberzeugung gehorcht. Überdem fordert der Verstand nur leise;er pocht und kumultuirt nicht; er wird also die Herrinn desHauses nicht bestürmen. Seine abschlägige Antwort trägt erruhig, und überläßt das Herz seinem eigenen Schicksal.
Töchter. Gut also, daß wir doch über unsere WohnungHerr bleiben.
Vater. Das bleibt ihr, und ich muß euch sagen, daßüber die Aufnahme in's Herz und über die Zimmer, die mandem Gegenstände da einräumt, das Herz allein entscheidenkann. Es kennet sich selbst; der Verstand hat von ihm nureine äußere Kenntnis;. Es hat einen Wächter in sich, der zwarblind ist, aber was diese Wohnung anbctrifft, viel genauerfühlt, als der Verstand sieht; denn dieser hat nur die allge-meine Übersicht der Dinge, und versteht sich auf die engstenGeheimnisse des Herzens nicht. Überdem hat es noch eineWäch-terinn von außen— wißt ihr, Mädchen, wie die Wächterinn heißt?
Töchter. Jst's nicht die Unschuld, mein Vater?
Vater. Ihr habt recht: haltet die Wächterinn theuerund werth; sie bekränzt euer Herz mit Lilie» und Rosen. Wassie hinein läßt, ist von wahrer und ewig angenehmerWirkung. Nun werdet ihr auch den andern blinden Wächtercrrathen.