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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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der sie sich durch nichts abwendig machen ließ; denn ich undalle, die sie liebten, widerriethen ihr die Heirath. Was meintihr, woran der Fehler ihrer Wahl lag?"

Am Mangel ihres Verstandes," riefen die Knaben,densie nicht zu Rathe gezogen; sie hat bloß mit ihrem Herzen ge-wählt. Und, leider! jetzt hat sie's oft bereut."

Also meint ihr, waren die Eindrücke ihres Herzens nichtrichtig; aber seht! lebhaft und also wahr waren sie dochimmer: ja auch dauernd sind sie; denn sie liebt den treulosen,niedrigen Ehemann noch jetzt, wie sie ihn am Tage der Ver-lobung liebte. Und dem Mangel ihres Verstandes könnt ihr'sdoch auch nicht zuschreibcn; denn sie ist von jeher ein klugesMädchen gewesen, und hat ihre Wahl lange geprüft. IhrBräutigam ist oft von uns gesichtet, und seine Fehler sind ihrdeutlich genug vorgehalten worden. Woran lag's also?"

DieKnaben. Sie hat nicht recht geprüft: ihr guterVerstand war von ihrem Herzen bestochen, daß sie also nichtsmehr an ihm im rechten Lichte sah. Sie liebte ihn zu sehr,als daß sie ihren Verstand recht brauchen, und auch die böseund schwache Seite von ihm hätte sehen können. Die Eindrü-cke des Herzens sind also ohne Beyhülfe des Verstandes alle-mahl trüglich, wenn sie auch noch so dauernd wären?

Vater. Trüglich und dennoch dauernd? wie reimt sich das?

Knaben. Nichts reimt sich leider mehr, Vater. Trüg-lich, wenn man sie vor den Verstand fordert; denn das hatdie Erfahrung bewiesen. Sie träumte bey ihm Liebe und Glück-seligkeit zu finden, und findet Elend. Dauernd aber sind siein ihrem Herzen selbst, weil sie ein so gutes Geschöpf ist, des-sen kleinen Finger ihr Unwürdiger nicht verdient.

Vater. Also meint ihr, das Herz könne ohne Verstandsehr dauernde Eindrücke fassen, selbst wenn jener ihm die ÜbelnFolgen derselben, mithin den Jrrthum, den es beging, täg-lich zeiget. Aber was macht sie denn dauernd?

Die Knaben waren verlegen zu antworten, und die Mäd-chen nahmen sich also ihrer Schwester an.Unmöglich, Vater,