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könnten ihre Empfindungen so dauernd seyn, wenn fie nichtauch in sich und vor dem Auge des Verstandes Wahrheitgewesen wären. Er hatte wirklich alle das Gute, was unsereSchwester an ihm sah, und hat's noch; sehen Sie aber, wiestark die Wahrheit ihrer Empfindungen und Herzenseindrückeseyn muß, daß sie ihm auch die Fehler verzeiht und übersieht.Wann lhut das der Verstand ? Er macht lauter Spiegelgefechtepro und contra, und gibt nie einen wahren Eindruck.
Vater. Nie einen wahren Eindruck, meine Töchter?
Töchter. Daß er des Nahmens „Eindruck" werthwäre — nein, Vater! den gibt allein das Herz. Jener gibtbloß Ideen, bey denen wir unthätig, unentschlossen und kaltbleiben. Heißt das Wahrheit? heißc das Empfindung oder Ein-druck? — Sehen Sie doch die größten Verstandeshelden an;was sind sie für arme Tröpfe! Sie wissen alles und fühlen nichts ;wissen alles, aber können und thun nichts; sind heute von einerSache überzeugt und morgen nicht mehr, wenn ein neues Slaub-körnchen auf die sogenannte Wagschale ihrer deutlichen Bewe-gungsgründe fällt. Wir laben uns das Herz: das gibt auf Ein-mahl wahren, lebhaften, vielseitigen, dauernden Eindruck.Ein Mensch, der herzlich überzeugt ist, redet auch herzlich, undjedermann glaubt ihm. Ein Mensch, der herzlich überzeugt ist,bleibt auchdabey, und laßt sich darüber tödten, da der Ver-stand immerdar wankt, nie zum Schluß kommt , und wenn erreden will, mit seinem kalten Abwagen der Bewegungsgründekeinen todten Hund überzeugt.
Vater. Nun, meine Töchter, ihr redet wirklich wiedie flammenden geflügelten, Herzchen. Ihr nanntet die Herzens-eindrücke wahr: das laugnet euch niemand, wenn ihr sie alsdas, was sie sind, als lebhafte Empfindungen, betrachtet. Ihrnanntet sie vielseitig; auch das gebe ich euch zu: denn dasHerz faßt viele Seiten auf Einmahl; sonst waren seine Em-pfindungen nicht so lebendig. Ihr nennt sie dauernd; dasmag seyn, es mag aber auch nicht seyn: sobald sich die Seitedes Gegenstandes verändert, und gerade in diesem Herzen an-