Mehr als einmahl ging er aus, am linken Fuße mit schwar-zem seidenen Strumpfe und beschuhet, und mit dem häusli-chen Pantoffel und weißwollcnen Strumpfe am rechten. Auchleuchtete er sich selber wohl am Hellen Morgen mit dem Lichte,an welchem er die Morgenpfeife angezündet hatte, in ein an-deres Zimmer. Am schlimmsten ging es ihm einst mit einemSchieferdecker. Der Mann fand ihn in einem Zimmer, wogewöhnlich die eingegangencn Gelder aufgezählt wurden.Gleim wurde abgerufen, hieß den Mann warten, und schloßihn in Gedanken in dem Zimmer ein. Nach einigen Stundengeht Gleim wieder in jenes Zimmer, schließt auf, und —Gott weiß, welche Idee von diebischem Fenstereinsteigen ihmplötzlich durch die Seele fährt— kurz, er tritt heftig auf denSchieferdecker zu, und fragt ihn mit der ganzen Gewalt sei-ner sonoren Stimme: „Wie kommt er hier in dieß Zimmer?was hat er hier zu thun?" Es kam zu sarkastischen Erklärungenvon Seiten des Schieferdeckers, und Gleim hatte zu thun,den ehrlichen Mann zu beruhigen.
Als Gleim Hauslehrer des Obersten von Schulz inPotsdam war, hatte die Frau Oberstinn eines Tages Besuch.Der unvorsichtige Hauslehrer stieß an den Kaffehtisch. Dasbeste Porzellan siel in Stücken; die Frau Oberstinn sah ihnscharf an. Diese Unvorsichtigkeit hatte für den Hauslehrer diewichtigsten Folgen. Er bestellte zu Meißen, nach seiner Erfin-dung, sogleich ein neues Kaffehzeug, ließ die Fabeln des Äsopdarauf mahlen, und ersetzte mit diesem das zerbrochene. DaSKaffehzeug gefiel der Frau Oberstinn. Prinz Wilhelm, Sohndes Markgrafen Alb recht zu Schwedt, Bruder des Mark-grafen Carl, ein hoffnungsvoller junger Herr und Obersterder königlichen Leibwache, bekam es zu sehen, und wünschteden Angeber desselben kennen zu lernen. Dieser Wunsch wurdesogleich erfüllt, und der Hauslehrer trat als Secretär in desmenschenfreundlichen Prinzen Dienste, blieb aber im Hausedes Obersten von Schulz. Einst erzählte der Oberste seinenTischgästen, daß ein Zwcykampf vorgefallen, und ein braver