34
den wenigsten Worten zn erkennen geben, daß man viel ge-dacht hat.
G ö t h e *).
Jeder hat sein eigenes Glück unter den Händen, wie derKünstler eine rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbildensoll. Aber es ist mit dieser Kunst wie mit allen; nur die Fähig-keit dazu wird uns angeboren; sie will gelernt und sorgfältigausgeübt scyn.
Die Blüthen unsers Lebens sind nur Erscheinungen. Wieviele gehen vorüber, ohne Früchte zu tragen, und wie we-nige dieser Früchte werden reif!
Niemand würde viel in Gesellschaft sprechen, wenn ersich bewußt wäre, wie oft er die Andern mißversteht.
Die angenehmsten Gesellschaften sind die, in welchen eineheitere Ehrerbietung der Glieder gegen einander obwaltet.
Die Leidenschaft. erhöht und mildert sich durch's Beken-nen. In nichts wäre die Mittelstraße vielleicht wünschenSwer-ther, als im Vertrauen und Verschweigen gegen die, die wirlieben.
Man nimmt in der Welk Jeden, wofür er sich gibt; aberer muß sich auch für etwas geben.
Das Betragen ist ein Spiegel, in welchem Jeder seinBild zeigt.
Gegen große Vorzüge eines Andern gibt es kein Rettungs-mircel als die Liebe.
Es gibt, sagt man, für den Kammerdiener keinen Hel-den. Das kommt aber bloß daher, weil der Held nur vomHelden anerkannt werden kann. Der Kammerdiener wird aberwahrscheinlich seines Gleichen zu schätzen wissen.
. Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu unskommen; wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wiees mit ihnen steht.
*) Die folgenden Gedanken sind aus dessen sämmtlichen Werken.