Druckschrift 
2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

25

liebenswürdig sind; des Mangels an wahrer Herzlichkeit, dendieß voraus setzt, nicht zu gedenken, muß man eben nicht reichseyn, wenn man in Anmuth und Geist sich so sparsam zeigt.

Man thut manchen Fall, ehe man das Rechte erfaßt. Esentflieht, weil es glaubt, es sey der Mühe werth, daß man nachihm laufe. Es entschlüpft auf den glattesten Wegen, und willseine wahren Verehrer erproben. Wer meint, es sogleich auf ein-mahl erlangt zu haben, ist ein Geck.

So wie die weiße Farbe keine ist, sondern die Abwesen-heit aller andern, so ist auch der Geschmack die Abwesenheitalles dessen, was in allen Gattungen anstößig ist.

Warum gibt es so wenig natürliche Menschen in der Welt?Manche sind wahrer Empfindungen fähig, und machen sich künst-liche, um zu versuchen, ob sie auf diese Weise nicht mehr Wir-kung hervor bringen? Sie werden für ihre Mühe und ihrenZwang hart genug bestraft. Ihnen geht durch Berechnung ver-loren, was sie, ihrer Natur sich überlassend, erlangt hätten.

Christina, Koniginn von Schweden.

Wer spitzbübisch im Kleinen ist, ist zuverlässig dumm imGroßen.

Man muß dem Glück mißtrauen, aber nie daran verzwei-feln.

Gäbe man sich eben so viel Mühe, gut zu seyn, alsgut zu scheinen, so erreichte man gewiß eher seinen Zweck.

Feinde Haffen immer von ganzem Herzen, aber Freundelieben nicht immer so.

Stelle sich niemand vor, daß große Männer ganz ohneFehler und Jrrlhümer sind. Ihr Vortheil besteht nur darin,daß sie sie kennen.

Die Menschenkenntnis; ist selten, und wer sie besitzt, ver-dient zu herrschen. Aber er muß sie mit Behutsamkeit gebrau-chen , und sie ja nicht für untrüglich halten.