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Frau von Stael.
Es gibt nur Ein Geheimniß im Leben: das Gute oder dasBose, was man thut; es verbirgt sich Ließ Geheimniß untertausend trügerischen Gestalten: ihr leidet lange, ohne es ver-schuldet zu haben, ihr gedeihet lange durch verwerfliche Mittel,aber plötzlich entscheidet sich euer Loos, das Wort eures Räth-sels ist enthüllt, und dieses Wort—das Gewissen hatte es langezuvor ausgesvrochen, ehe es das Schicksal wiederhohlte.
Ein gemeiner und ein sinnreicher Styl sind beyde gleich-weit von dem Natürlichen entfernt. Der sinnreiche eignet sichnur für die Prunkgefühle, fürdiese Gemüthsbewegungen, dieman bloß empfindet, um sie zur Schau zu legen; er ist nochüberdieß ein solcher Beweis von Kaltblütigkeit, daß er dieMöglichkeit jeder tiefen Aufregung ausschließt. Die alltäglichenAusdrücke stehen von der Wahrheit eben so fern als die gesuch-ten, weil sie nie das mahlen, was wirklich in unserm Herzenvorgeht.
Es wirkt in uns eine moralische Kraft, die unablässig zurWahrheit hinstrebt. Gleichen Schrittes müssen alle Seelenkräftein Einer Richtung fortschreiten; die Ausbildung einer auf Kostender andern ist allen gleich verderblich.
Die Leiden der Einbildungskraft hangen fast gänzlich vonden Umständen ab, die sie in ihr auffrischen; sie verschwinde»,wenn nichts von dem, was man sieht oder hört, die Erinnerungan sie weckt; aber furchtbar, unermeßlich wird ihre Macht, wennder Geist unablässig gegen neue Aufregungen zu kämpfen hat.Man muß seine Aufmerksamkeit von einem drückenden Schmerzabziehen, und sie gewandt auf andere Gegenstände lenken kön-nen; denn Gewandtheit bedürfen wir allerdings gegen uns selbst,um nicht zu sehr zu leiden.
Äußern gleich die Tröstungen, die man aus sich selbst schö-pfen muß, ihre Kraft nicht sogleich, ihre Wirkung ist um sodauernder.