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Es ist ein eigenthümlicher Vorzug des Menschen, auchseine Beleidiger zu lieben! Dieß geschieht, wenn es dir inGedanken ist, daß sie mit dir eines Geschlechtes sind, daß sieaus Unwissenheit und wider Willen fehlen, daß ihr beyde nachkurzer Zeit sterben werdet, und, was die Hauptsache ist, daßdein Gegner dich nicht beschädiget hat: denn deine höhere Krafthat er nicht schlechter gemacht, als sie vorher war.
Vertilge die Einbildung; hemme den Drang der Leiden-schaften; bemächtige dich der Gegenwart; trenne oder zerlegejeden Gegenstand in Form und Materie; gedenke der letztenStunde!
Dein Schmuck sey Einfalt, Bescheidenheit und Gleich-gültigkeit gegen das, was zwischen Tugend und Laster in derMitte liegt! Liebe das Menschengeschlecht; folge der Gottheit!
Cicero*).
Weder Feuer noch Wasser ist uns so unentbehrlich, alsdie Freundschaft. Dem menschlichen Leben die Freundschaftrauben, heißt der Welt das Sonnenlicht entreißen.
Der Same der Tugend ist unfern Gemüthern angeboren,und wenn wir ihn aufkeimen ließen, so würde uns die Naturselbst zum Lebensglückt führen.
Die Ehre ist etwas Gründliches und Wirkliches. Sie istdas übereinstimmende Lob der Rechtschaffenen, die unbestocheneStimme derer, welche die Vorzüge der Tugend richtig beur-theilen. Sie tönet der Tugend nach, wie ein Wiederhall. Weilnun diese gewöhnlich die Begleiterinn guter Thaten ist, sokann auch der rechtschaffene Mann sie nicht verschmähen. JenerBeyfall des Volkes hingegen, welcher der erstem gern ähnlichseyn möchte, aber frech und unbedachtsam, und meistens einLobredner der Sünden und Laster ist, verderbt unter demSchein der Anständigkeit selbst ihre Gestalt und Schönheit.
Nichts kann die Traurigkeit so abstumpfen und erleichtern,
*) Übersetzt von Hottinger, Schreibers, u. a. A.
Philosoph. Abtheil. VI. Band. B