Druckschrift 
2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

Jede unserer Handlungen kann nur auf eine einzige Weisegut, aber auf vielerley Weise schlecht gerathen; denn das Zieltreffen ist nur etwas Einzelnes und Einfaches, dagegen kann manbald auf diese, bald auf jene Art fehlen, wenn man entwederdas Maß überschreitet, oder vor der Zeit stille steht. DerSchuh muß immer seine Richtung nach dem Fuße nehmen,nicht aber der Fuß nach dem Schuhe. Auf gleiche Weise mußauch die Gemüthsbeschaffenheit des Menschen sich jede Lebens-art paffend und angenehm machen; denn es ist nicht die Ge-wohnheit, welche die beste Lebensart, für den, der sie wählt,angenehm macht; sondern die Klugheit macht dieselbe Lebensartzugleich zu der besten und angenehmsten. Da also die Quelleder Gemüthsruhe in uns selbst liegt, so dürfen wir dieselbe nurreinigen und läutern, damit wir mir den äußerlichen Dingenbekannt und vertraut werden, und sie ohne Widerwillen ertra-gen lernen.

Plato vergleicht daS Leben mit einem Würfelspiel, beywelchem man nicht allein glückliche Würfe thun, sondern auchdiese, wenn man sie einmahl geworfen hat, gut gebrauchenmuß. Das erstere, nähmlich das Werfen, steht freylich nicht inunserer Gewalt; aber daß man das, was das Schicksal unszu-theilt, auf eine gute Art annehme, und jedes an einen Orthinbringe, wo das für uns Passende am meisten nützt, unddas Unwillkührliche am wenigsten schaden kann, das ist eigent-lich unsere Sache, wenn wir anders weise sind.

Wer am Körper krank ist, ergibt sich bald darein, legtsich ins Bett, und wartet die Cur ruhig und still ab. AlleinKranke an der Seele wollen dann am meisten handeln, undkönnen nichts weniger leiden als die Ruhe.

Vorwitzige pflegen wohl selbst das Ihrige zu Grunde zurichten und preis zu geben, um sich nur mir fremden Dingen be-fassen zu können.

*) Übersetzt von Kaltwasser.