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Die Frage liegt nahe, wie es möglich war, dass Rudolf von Wart sich zu solchemAnsehen, zu solcher Macht emporschwingen konnte. Als Antworten können nur Vermutungengeboten werden. Karls IV. Anhang war im Beginn seines Strebens, die deutsche Krone zuerlangen, sehr klein. Harte Kämpfe hatte er mit den Gegenkönigen und den Witteisbachernzu bestehen; auch in Italien waren manche Widersacher zu besiegen. Tapfere, treue An-hänger mussten ihm somit willkommen sein. Da die Urkunden unserer Gegend von Rudolfvon Wart während des Zeitraumes von 1340—50 nichts melden, so darf angenommen werden,er habe sich in Italien und Deutschland an den Kämpfen Karls mit Auszeichnung beteiligtund hiebei die Ritterwürde und die Einsetzung in seine freiherrlichen Rechte errungen, undwirklich ist auch die Urkunde noch vorhanden, kraft welcher Rudolf von Wart durch KaiserKail IV. in die Freiheit eingesetzt wird, die er durch die böse Tat seines Vaters und dessenAuflehnung gegen König Heinrich VII. verloren hatte (1351 J ). Ob Wart während seinerkriegerischen Tätigkeit und seiner vielen rechtlichen Geschäfte die nötige Zeit fand, derLiebe die Hand zu reichen und eine Ehe einzugehen, kann nicht mit Bestimmtheit gesagtwerden. Am 17. September 1354 hielt sich Kaiser Karl IV. in Pfullendorf auf und befahlder Stadt Colmar, sie müsse dem Rudolf von Wart und ihrer Bürgerin N. 300 fl. entrichtenals Restzahlung von 100 Mark Silber, die der Ort für das Dorf Winzenheim der genanntenFrau schuldig geworden sei. 2 ) In welchem Verhältnis die Frau N. und Wart zu einanderstanden, ist zur Zeit nicht zu ergründen. Der Kaiser belohnte seinen treuen Diener nichtnur mit der Reichsvogtei Zürich, sondern auch mit andern Gütern; aber der Edle hatte keineNachkommen, was durch Folgendes belegt wird: Am 18. April 1361 gab Karl IV. seine Zu-stimmung, Rudolf von Wart sei befugt, den Domprobst Thüring von Ramstein und dessenBruder „Rutzemann" gemeinschaftlich in den Besitz aller seiner vom Reiche erhaltenen Lehenzu setzen, so dass dieselben, wenn er ohne eheliche Erben sterbe, an die genannten Ramsteinfallen sollten.
In seiner hohen Stellung zu Reichtum gelangt, war Rudolf von Wart bestens in derLage, in aussergewöhnlicher Weise für sein Seelenheil zu sorgen. Er gab dem Kloster Lützclim Elsass (südwestlich von Pfirt) eine grosse Summe Geldes (600 Florentiner Gulden, ca. 24,000Fr.),damit für ihn und seine Vorfahren täglich ein hl. Messopfer dargebracht werde. 3 )] Nach demNeftenbacher Totenregister soll Rudolfs Lebenslicht im Jahre 1362 erloschen sein. 4 ) Diese Angabeist jedenfalls ungenau; denn am 2. Januar 1364 weilte Rudolf noch in Prag und trat als Zeugein zwei Urkunden auf, mit welchen Karl IV. dem Bischof Peter von Florenz, dem Gesandtendes Papstes, gerichtliche und dieser Stadt Hochschul-Rechte verlieh. Als weitere Zeugenwaren der König von Dänemark und manche Bischöfe und Herzoge anwesend. Erst in diesemJahre sank er in die ewige Nacht, was dadurch bestätigt wird, dass der Kaiser am 27. Dez.1364 als neuen Reichsvogt in Zürich den Burggrafen Johannes von Magdeburg, den Sohnseines Hofmeisters Burkhard, ernannte und jedermann gebot, ihm in seinen Rechten gehor-sam zu seiu. 5 ) Rudolf verschied kinderlos, somit starb auch dieser Zweig des freiherrlichenGeschlechtes aus. Es ist anzunehmen, dass Rudolf, der freigebige Spender, im Kloster Lützelneben den Freiherrn von Froburg-Gliers, Senn von Münsingen und Bucheck, von Ramstein,von Bechburg u. s. w. seine letzte Ruhestätte gefunden hat; denn in der Epitorne fastorumLucellensium R. D. Bemardino Pruntruti 1667 wird da, wo von den Begräbnisstellen der Wohl-täter des Klosters die Rede ist, eines Wart Erwähnung getan.«) Der letzte Rudolf von Wart
') Kaiserreg. v. A. Huber, Nachtrag Nr. 7491. 2 ) Dito, Nr. 6115. 3 ) Argovia 5, !)0. ') Appenzeller,S. 25. s ) Archiv I. «) Mitteilung- von Dr. R. Thommcn, Basel.