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Die Freiherrn von Wart
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Bezeichnend für Basels antihabsburgische Gesinnung ist, dass daselbst ein zweiterSohn Rudolfs von Wart, Marquart, Domherr werden konnte. In dieser gesicherten, einfluss-reichen Stellung lag es in seiner Macht, seiner Mutter und seinen Geschwistern mit Rat undTat an die Hand zu gehen. Er erscheint in Urkunden, welche die Kirche in Möhlin betreffen,und wird in denselben von Jakob von Wart ausdrücklich als Sohn seines Bruders bezeichnet.Er segnete das Zeitliche am 24. Dezember 1347, 1 ) nachdem er zu seinem Jahrzeit eine Ver-gabung von 20 fj von einem Hause in der Winhardsgasse gemacht hatte. Seine Grabstättebefand sich vor dem alten Münsterkirchturme. Auch für das Seelenheil seines Vaters, seinerMutter und seiner Brüder sorgte er durch ein Vermächtnis von drei Pfund Pfennig. DieNachkommen Rudolfs des Mörders lebten also keineswegs im Elend oder in so ärmlichen Ver-hältnissen, wie gemeiniglich angenommen wird.

b) Rudolf IV. von Wart, Zürcher Reichsvogt.

Des Königsmörders Rudolfs ältester Sohn führte ebenfalls den Namen Rudolf; dasJahr seiner Geburt kann nicht bestimmt werden. Nachdem das Unglück über die Familiehereingebrochen war, hielt sich der junge Mann wahrscheinlich in Basel und bei Verwandtenim Solothurncr Gebiet auf. Unseres Wissens tritt er zum ersten Male urkundlich in Frau-brunnen am 18. September 1315 auf. In dem dortigen Frauenkloster erwarb sich eine gewisseAdelheit, genannt Thomatz, ein Leibgeding. In der Ausfertigung, die vom Grafen Hartmannvon Kiburg besiegelt wurde, wird nach den Rittern Konrad und Hetto von Teitingen (Dei-tingen, Kirchgemeinde bei Solothurn) Rudolf von Wart als Zeuge genannt. 2 ) Auch in unsereGegend kam er etwa zum Besuch seiner Verwandten und erscheint am 6. März 1318 in einerUrkunde in Zürich mit dem Sohne des Jakob von Wart. 3 ) Die Ritterwürde hatte er damalsnoch nicht erworben; denn er führte den TitelJungherr".*) In den Verhandlungen betreffendden Kirchensatz zu Möhlin in den Jahren 1324 und 1334 wird er mit seinem Bruder Marquartebenfalls angeführt; mit demselben gibt er auch die Einwilligung zur Stiftung des Jahrzeitesfür seine Mutter. Von 1334 verlieren sich seine Spuren in unserm Lande; es scheint, dasser in Deutschland ein Wirkungsfeld gesucht und gefunden und dort seinem Hause zu neuemAnsehen verholten hat: Er wurde Vertrauter und Rat des deutschen Kaisers Karls IV.

Nach der Mordnacht und der Zerstörung von Rappersweil trat die Reichsstadt Zürichunter Bürgermeister Brun in heftige Feindschaft zu Ostreich 1350. Nach erfolglosen Ver-handlungen mit dem Gegner schloss Brun mit den vier Waldstätten einen Bund, worauf derKrieg begann, in welchem Zürich von Ostreich zweimal belagert und schwer bedrängt wurde.Kaiser Karl IV. musste es sehr daran gelegen sein, die Reichsstadt nicht ganz untergehenzu lassen und doch in dem Zwiste sich nicht mit seinem Neffen, dem Herzog Albrecht demLahmen von Ostreich, zu überwerfen. In diesen schwierigen Zeiten wählte er für Züricheinen Reichsvogt, auf dessen Treue und Ergebenheit er sich sicher verlassen konnte: denRudolf von Wart.

Ursprünglich besass der Zürcher Reichsvogt bedeutende Macht und Rechte. Ihm lagder Bezug der Reichssteuer oder des Gewerfes ob; er führte den Oberbefehl über die vomReiche in der Stadt aufgebotenen Truppen; er besass die oberste Gerichtsbarkeit mit demBlutbann. Natürlich war der Reichsvogt dem Zürcher Rat ein Dorn im Auge, und diese Be-

l ) Trouillat, Mon. III. 130 und Gf'rd. IV, 315. 2 ) Berner Geschichtsquell. 4. S. 3 ) Urk. StadtarchivWinterthur. 4 ) Kopp irrt sich: Rudolf ist nicht Geistlicher geworden, IV. 2, 279.