Druckschrift 
Die Freiherrn von Wart
Entstehung
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

— 29 —

und erschüttert, gezaudert haben und vorher geflohen sein." „Auch Rudolf von Wart flieht,obschon er seine Hände nicht mit Blut befleckt hat."*) Allerdings sind Milderungsgründevorhanden: Albrecht hat sein vorzeitiges Ende selbst verschuldet und die Mörder warendie Werkzeuge einer höhern Hand, der Kirche; aber der bösen Tat haftet insbesondere derMakel der Hinterlist und der Treulosigkeit an; denn der Gegner wurde nicht im offenenKampfe, sondern wehrlos hingestreckt. Zudem ist zu erwägen, ob die Lage durch Zuwartenfür Herzog Johann nicht günstiger geworden wäre: Der Widerstand gegen Albrecht war imWachsen begriffen. Der Unterstützung des Papstes, der Kurfürsten und der Geistlichkeit wäreer in der Mehrzahl sicher gewesen; aber diese zogen einen kurzen Hauptschlag einem langedauernden Kampfe vor.

c) Die Blutrache.

Nach der schrecklichen Tat musste den Übeltätern vor allem daran gelegen sein, ausdem Blutbann der Herzoge von Ostreich, d. h. aus der Landgrafschaft Aargau hinaus-zukommen und in die Nähe eines Ortes zu gelangen, der im Streite mit Albrecht gelegenwar; deshalb flohen sie nach der Froburg bei Ölten; aber der Eigentümer dieser Feste, GrafRudolf von Nidau, gewährte ihnen kein Obdach und wies sie von dannen. Nun wandten siesich nach Alt-Falkenstein in der innern Klus bei Balstal, welche Burg ja teilweise dem Rudolfvon Wart gehörte. 2 ) In unsere Gegend konnten sie sich nicht retten, weil sie sich dadurch wieder indie hohe östreichische Gerichtsbarkeit begeben hätten; zudem schloss Zürich die Tore, damitniemand hinein könne, der an dem Todschlag beteiligt gewesen war. 3 ) Nur das nahe, mit Ostreichin Feindschaft lebende Basel konnte ihnen Schutz und Hülfe bieten. Kurze Zeit vorher warja dort Albrecht dem Tode entronnen. Brach eine Fehde zwischen dem Basler Bischof undHabsburg aus, so deckte die auf hohen, senkrechten Felsen stehende Burg Falkenstein dieZugänge über den Passwang nach der Rheinstadt und war zudem ein sehr günstig gelegenesAusfalltor in östreichisches Gebiet. Wie die Kunde von der Ermordung Albrechts nach Baselgedrungen war, entstand zwischen den Anhängern Ostreichs und denjenigen des BischofsOtto ein blutiger Zusammenstoss, in welchem die erstem den kürzern zogen und für 14 Jahreverbannt wurden. Somit hatten die Verschworenen einen sichern Rücken; es scheint, dassBasel dem ganzen Plane nicht ferne stand. Am Eingang in die Klus war die Bechburg, dieVerwandten des Rudolf von Wart gehörte. Die Grafen von Tier- und Falkenstein standenin der Machtsphäre des Basler Bischofs. Die Burgen und Güter des Rudolf von Bahn lagennicht in allzugrosser Entfernung vom neuen Aufenthalte der Mörder.

Wie zu erwarten war, wählten die deutschen Kurfürsten nicht einen Sohn Albrechts,sondern Heinrich von Luxemburg zum König, der zu befürchten hatte, seine neue Stellungwerde am meisten von Ostreich bedroht, und der deshalb anfänglich gegen Habsburg eineabwartende feindliche Stellung einnahm, und die Mörder weder verfolgte noch in die Achterklärte. So befanden sich erstlich die Übeltäter nicht in einer schlimmen Lage. Das gehtauch daraus hervor, dass Walther von Eschenbach und Rudolf von Balm auf ihre Burgenund Güter zurückkehrten, Verträge und Verkäufe abschlössen und sich offen zum Kriege gegenOstreich rüsteten. Rudolf von Wart wagte es allerdings nicht, in seine Heimat zurückzu-

') Zürch. Lesebuch, V. Schuljahr, S. 134.

s ) hin randen si ir str&z/si vier und ir gesinde / g-ahten hin swinde. / si fuorte mit der vart / der da

hiez von der Wart / üf siner ve.ste ein, / diu hiez Alten-Valkenstein. (Ottokars öst. Reimchronik.)3 ) Mitteil. d. antiqu. Gesellschaft Zürich, 2, S. Ol.