490 Ende der Gloldberger „Schola ducalis".
und lasse ihn nicht einmal eine Abschrift davon sehen. Er habeeine „Dissertatio de aureo seculo", von dem viele jetzt träumten,geschrieben, obgleich er wegen der Albernheit der Leute währenddes Schreibens die Lust daran verloren habe. Er schicke sie Opitzund bitte um Überreichung an den Herrn von Stange. Der letztepoetische Tribut an seine Vergangenheit war das 1629 gedruckteTrauergedicht auf den 1628 abgeschiedenen Superintendenten Mag.S. Grunaeus. 1 ) Am 1. Juli 1630 schrieb er an den pädagogischenReformer W. Ratichius 2 ), vor 16 Jahren, als er Rektor in Jauergewesen, sei der Ruf des Ratichius zu ihm gedrungen, und drückteihm seine Freude darüber aus, daß Moser, der aus seiner Disziplinsei, bei ihm Aufnahme gefunden habe. Alle Kollegen und derFürst wären mit den Erfolgen sehr zufrieden, und Moser kehre zuihm zurück. Aus diesem Briefe geht hervor, daß er noch Privat-schiiler hatte. Den 23. Juni 1632 starb er „in thermis vicinis",d.h. in Warmbrunn. 3 ) Der Lehrer K. Reusner trat geräuschlos indas bürgerliche Leben über, bis er später wieder in der Stadtschuleals Lehrer tätig wurde. 4 ) Wie Lange wenigstens als Kolloktor derEinkünfte der fürstlichen Schule beibehalten wurde, so wendeteauch Herzog Georg Rudolf nichts dagegen ein, daß G. Vechnerals städtischer Kantor Lehrer blieb, weil der Chor in der Kircheund die Funera bestellt werden mußten. Die Goldborger Jugendbedurfte außerdem der Schulbildung, und der Herzog kam nochinsofern der Stadt entgegen, daß er ihr, bis eine Mutation von ihmmit der Schule vorgenommen werden möchte, die Benutzung desKlosters zu Schulzwecken überließ, dem Kantor die Schlüssel undden Nießbrauch der Schulgärten übergab. So wurde aus den ein-heimischen Resten der fürstlichen Schule die neue Stadtschule, dieRechtsnachfolgcrin der 1546 von der fürstlichen Schule aufgesogenenalten Stadtschule, deren Einkünfte an sie übergingen. G. Vechnerwar so in einer Person Kantor, Schulmeister und Lehrer. Daß erals Musiker komponiert und seine Komposition auch gegen denWillen des Pastors und Dekans im Gottesdienst verwendet hat,bis ihm das Handwerk gelegt wurde, ergab das Protokoll derletzten Revision der fürstlichen Schule; daß er aber auch im Rek-torat des Melideus als Dichter eines schwachen deutschen Liedesaufgetreten ist, haben wir noch nachzutragen. Am 14. Dez. 1618war Rosina, geb. Neumann, die erst sechzehnjährige Gattin des
') S. o. S. 484, Anm. 2. J ) St, B.-Br., Ms. R402 N. 345.
*) Nach seiner.Grabschrift in St. B.-Br., Wenzel.') Das Folgende ebenda.