Aufhebung der Schola ducalis und Einrichtung einer Stadtschule. 489
8. Aufhebung der Schola ducalis und Einrichtung einer
Stadtschule.
Die Verhältnisse waren in Goldberg so verfahren, daß trotzder wirkenden Stiftung W. von Kothkirchs auch unter Vechner dieSchule nicht zunahm, und so wurde auf Befehl des Herzogs am4. Nov. 1622 im fürstlichen Konsistorium in Licgnitz über die^Ent-lassung der Lehrer, weil die Schule gar keine Frequenz habe, undüber die etwaige Verlegung der Schule nach Liegnitz zur St. Jo-hanniskirche beraten. 1 ) Das vom Fürsten verlangte Gutachten derGeistlichen fiel aus, wie er erwartet hatte, und an demselben Tageberief der Goldbergcr Hauptmann die Lehrer zusammen, teilte ihnenihre Entlassung mit, weil keine Frequenz in der Schule sei, unddie Aufhebung der Schule ad Interim. Der Herzog sei Willens,sie nach Liegnitz zur Johanniskirche zu verlegen. Der Termin derVerlegung blieb offen wie die Bestellung von Lehrern. Die Lehrernahmen die Entlassung an und ersuchten nur um ein Donativ wegender schweren Zeiten; Mag. D. Vechner erbat sich eine Remunerationdafür, daß er über ein Jahr die Geschäfte dos Rektors vertretenhabe. Alles wurde zugesagt. Lange bat endlich noch darum, daßer bei der Kollektur bleiben dürfte. Auch dies wurde ihm zu-gestanden, allein mit dem Zusatz, daß er von nun ab die Redditusnach Liegnitz zur Johanniskirche abzuführen und dem Landschreibereinzuhändigen wie auch alle Dokumente dem Herzog nach Parch-witz zu bringen habe. Damit war die fürstliche Schule faktischund für immer aufgehoben.
Von den entlassenen Lehrern blieb Mag. D. Vechner in Gold-berg, war wissenschaftlich weiter tätig und bildete wie früher alsjüno-erer Mann Privatschüler. Von 1625 bis 1632 gehörte er demRate der Stadt als Prokonsul an. Aus seinem Verkehr nach außenist ein Brief an Martin Opitz vom 23. Sept. 1623 erhalten 2 ), deruns schon bei den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in der letztenRevision der fürstlichen Schule vorgeschwebt hat. Er sagte Opitzseinen Dank für die freundliche Anerkennung seiner „Hellenolexia"und des Versuchs, noch Ergänzungen dazu aufzufinden. Er beab-sichtige eine zweite, verbesserte Ausgabe zu veranstalten. Unddann fuhr er fort: von der letzten Zusammenkunft sei er fort-gegangen oder eigentlich fortgeführt worden seiner selbst unbewußt.Der Wein habe den Fehler, daß er Füße und Kopf angreife. Dasihm geschenkte Gedicht sei dem Berauschten entfallen, seine Tantehabe es und schwöre laut, es wäre ihr geschenkt worden, hüte es
>) St. B.-Br., Wenzel. *) St. B.-Br., Hs. B 402 N. 338.