Der neue Rektor J. Melideus; sein Lebensgang bis zu seiner Berufung. 449
„Hierbey bleibt es nicht, sondern damit Gegentheil ja der Lebergenugsam räume und das Müthlein an uns Unschuldigen erkühle,so mußten auch Pasquilli und sonsten verbottene öffentlicheSchmäheharten hernacher geschoben werden. Da lästert J. Meli-deus in seiner Parodia, zu Gießen halte man dem Bapst sein Feyer.Die alte bißher zu Marburg gewesene Theologen nennt er ver-lauffone alte und satte Caballen [Gäule]. Ja, dieser gottlosePasquillant darff schreiben, die Pfarrkinder zu Gießen hätten sichhungerigen Wölffen willig ergeben und ließen sich elendig verleitenund verführen. Er schreibet ferner, der durchleuchtige und hoch-geborne Fürst und Herr Herr Moritz, Landgraf zu Hessen etc.,hab wohl gethan, daß er solch examina flagitiorum, d. i. gantzeSchwärm Schandt und Laster, zu Marburg außgeschafft. Geradeals ob der durchleuchtige und hochgeborne Fürst und Herr HerrLudwig der Älter, Landgraff zu Hessen, hochseliger Gedächtnis beiSeiner Fürstlichen Gnaden Leb- und Regimentszeiten zu Marpurgbey Hof, Kirchen, Schulen und Policey an gehalten Seiner Fürst-lichen Gnaden Seelsorgern, Theologen und Predigern gantzeSchwärm Sünden und Schanden geliebt, geschützt und underhaltenhätte."
Die Hydra, die Vietor bekämpfte, bekam jedoch noch dreineue Köpfe. Er mußte also wieder zur Feder greifen und tat das x )mit einer „Kurzen und notwendigen Retorsion". Was noch nachdieser Retorsion kam, liegt uns fern, und wir kehren daher zu denPhilosophen und Poeten zurück.
Goclenius schwieg zum Erstaunen Fincks ziemlich lange überdessen erste und zweite Disputation. Da erschienen endlich, fürden 19. März 1606 angesagt, apologetische Thesen gegen die beidenFinckschen Disputationen, über die wieder B. Brant als Respondentunter dem Vorsitz des Goclenius Rede und Antwort stand. 2 )Brants Anzapfungen durch Finck und seine Respondenten gabBrant in einem scharfen Angriff zurück. Die beiden an der Publi-kation beteiligten Poeten, J. Melideus und S. Z. T.W., stellten mitihren Versen eine bewußte Antithese dar. Melideus pries in demersten Gedicht den Landgrafen Moritz als Beschirmer der reinenLehre und sang in dem zweiten sein überschwengliches Lob.S.Z. T.W. machte Bachmann schwere Vorwürfe, daß er den from-men Fürston angreife: er müßte einen Nesselkranz, wie es einembissigen Dichter zukomme, tragen und nicht den Lorbeer.
l ) Bauch, Ludovieiana S. 436, 487, Anm. 32.') Ebenda S. 437, Anm. 34.Monumente Germanlae Paedagogiwi LVII l^H