446 Ende der Goldberger „Schola ducalis".
sehen Verbessorungspunkte, die auf Umwandlung bis dahin lu-therisch gewesener Lehren und Gebräuche abzielten. Die Vor-geladenen weigerten sich, darauf einzugehen, und baten, entlassenzu werden. Diese Bitte wurde als Bitte um Entlassung aus demAmte genommen. Am 6. Aug. crf-olgte dann ein Aufruhr der Bür-gerschaft gegen die neu eingesetzten reformierten oder philippisti-schen Prediger mit wüsten Auftritten in den Kirchen und schwerenMißhandlungen der Geistlichen, den der unterdes nach Kassel zu-rückgegangene Landgraf nur durch die Aufbietung militärischerMacht unterdrücken und beilegen konnte. Die entlassenen Geist-lichen und die andern lutherischen Angehörigen der Universitäträumten schleunigst die Stadt, um nicht der Urheberschaft desAufruhrs beziehtet zu werden.
Da es für Ludwig V. nicht tunlich war, in Marburg selbst ein-zugreifen, kam er in Übereinstimmung mit seinen beiden Super-intendenten J. Victor in Gießen und J. Angelus in Darmstadt aufden Gedanken, dem reinen lutherischen Bekenntnis und seinerliterarischen Betätigung einen Ersatz für Marburg zu schaffen.Vietor und Angelus wendeten sich fast gleichzeitig und noch vordem Aufruhr in Marburg an den Landgrafen zunächst mit demVorschlag, in Gießen ein Gymnasium illustre zu gründen. Land-graf Ludwig, der selbst schon an die Gründung einer Universitätgedacht hatte, ging bereitwilligst auf die Vorschläge der Super-intendenten ein: am 10. Okt. 1605 wurde in Gießen das Gymnasiumillustre eröffnet, und bald begannen die Vorlesungen am Gymnasiumund der Unterricht in dem dazu gehörenden Paedagogium; am7. Okt. 1607 erfolgte die Eröffnung der neuen Universität inGießen.
Landgraf Moritz hatte das Bedürfnis, alles, was sieh in Mar-burg zugetragen hatte, von seinem Standpunkt aus berichtet undbetrachtet, vor die Öffentlichkeit zu bringen. 1 ) Das geschah ineinem „Historischen Bericht". Auf diesen Bericht antworteteJ. Vietor 2 ) mit einem „Kurzen beständigen Gegenbericht", auf denvon Marburg her nur eine zweite, verbesserte Auflage 3 ) des„Historischen Berichts" folgte. Dafür erhob sich der PfarrerK. Embden und griff durch einen „Kurzen schriftmäßigen Berichtüber die hessischen Verbesserungspunkte" Vietor heftig.an. 4 ) Spe-ziell gegen den „Beständigen Gegenbericht" Vietors wendete er
') Bau eh, Ludoviciana S. 426, Anm. 10. ») Ebenda S. 426, Anm. 11.s ) Ebenda S. 427, Anm. 12. «) Ebenda S. 427, Anm. 13.