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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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Das ganz vorfehlte Proreklorat des Arztes Jakob Günther. 427

9. Das ganz verfehlte Prorektorat des Arztes Jakob Günther.

Man hatte es in Liegnitz, um ein ganz steriles Interregnum zuvermeiden Vechner war zuletzt, wenn auch nicht rechtlich, dochtatsächlich Prorektor gewesen an Umsicht und Vorsorge nichtfehlen lassen. Einen Fühler hatte Grunaeus schon am 13. Aug. 1610nach Breslau ausgestreckt 1 ), um den dort bei St. Maria Magdalenaals Rektor wirkenden Mag. J. von Höckelshoven zu sondieren.Ebenso war schon vor Vechners Abgang, schon vor dem 6. Sept.auch in Öls mit dem Namslauer Stadtarzt Mag. Jakob Güntherverhandelt worden, und er hatte zugesagt; aber er kam doch erstim nächsten Jahre und wurde am 5. Juli 1611 als Prorektor ein-geführt.' 2 ) Die lange Pause hatte die Schule so entvölkert, daßer nur etwa sechs Schüler in der ersten Klasse übernahm. SeineWahl war wieder ein Mißgriff, doch in anderm Sinne als bei Lau-banus.

Sein Kollege G. Vechner fällt über ihn das Urteil 3 ), er seimit geringem Nutzen und Frommen der Schule bestellt worden,sintemalen er nicht qualifiziert und zum Schulregiment geschicktgenug gewesen. Das Urteil darf man als zutreffend erachten.Nach Kenntnisnahme von seinen zahlreichen Werken, schon vonseinen unendlichen Büchertiteln, fühlt man sich geneigt, auf ihndie Charakteristik des Kaisers Claudius anzuwenden: er war ge-lehrt, aber stumpfsinnig. Er ist eine geradezu sonderbare Er-scheinung, immer und über irgend etwas zu schreiben und zumliterarischen Bettel bereit. Wer mag bei seiner starken Pro-duktivität die Druckkosten getragen haben?

Günther war in Züllichau als Sohn des in Frankfurt und Wit-tenberg gebildeten Geistlichen Jakob Günther aus Freystadt ge-boren. Seine Mutter war eine Schwester des Liegnitzer RektorsMag. F. Klose aus Freystadt. Im Wintersemester 1587 bezog erdie Universität Frankfurt und wurde am 18. April 1593 mitE. Mimer zum Bakkalar und zum Magister der Philosophie pro-moviert. Seine Freunde feierten die neue Würde, selbstverständlichPoetisch: Mag. B. Radmann hebräisch, Mag. Ch. Neander,organiAristotelici", griechisch, L. Gärtner aus Marienburg, J. Langius

') Grunaeus an J. von Höekclshofen, 13. Aug. 1610, St. B.-Br., EhedigerX *I, XVI, N. 9.

') Grunaeus an Laubanus, 6. Sept. 1610, 22. Juli 1611, ebenda XXI,N - 216 und 256.

*) In St. B.-Br.. Wenzel.