250 Einsetzen des Niedergangs der Schule.
Schule bedurfte, in Brieg einzustellen, übernahm er den Privatunter-richt junger böhmisch-mährischer Adliger und besonders den desFreiherrn M. Slawata, Herrn zu Chlum, des Freiherrn K. von Wald-stein und des Freiherrn K. von Zierotin l ), Herrn zu Namiest undRoßitz in Mähren, der einst eine Zierde des mährisch-böhmischenHerrenstands in der eisernen Zeit des großen deutschen Kriegeswerden sollte.
J. von Zierotin schickte den Informator mit diesem seinemHohne 2 ), der noch im Knabenalter stand (geb. 14. Sept. 1564),nach Straßburg auf die von dem berühmten Pädagogen Joh. Sturmgeleitete Akademie, die mit einer philosophischen Fakultät ausge-stattet war. Die Wahl Cirklers zum Informator gibt uns einenMaßstab für die Einschätzung seiner damaligen konfessionellen Stel-lung in die Hand. J. von Zierotin war die angesehenste Persön-lichkeit unter den Laien der Brüder-Unität in Mähren. Die Unität,die, ohne das eigene Bekenntnis aufzugeben, zu dieser Zeit schonvon dem Luthertum zum Calvinismus abgeschwenkt war, wachtesorgfältig darüber, daß besonders die jungen Herren in reinem Be-kenntnis erzogen wurden. Der junge Zierotin besuchte zuerst da-heim die unter opferwilliger Beihilfe seines Vaters geschaffeneSchule in Eibenschitz, an deren Spitze Mag. E. Rüdinger, des Joach.Camei'arius Schwiegersohn stand, der 1574 wegen seines calvini-stischon Bekenntnisses seine Professur in Wittenberg hatte auf-geben müssen. Wenn nun Cirkler den Knaben im fernen Auslandjahrelang unterweisen sollte, in dem bildungsfähigsten und fremdenEinflüssen am leichtesten zugänglichen Alter, mußte für den Vaterin Cirkler eine sichere Gewähr nicht bloß nach seiner Gelehrsam-keit und seinen Charaktereigenschaften, sondern ganz besondersnach seiner religiösen oder theologischen Stellungsnahme liegen.Dieser hatte also nun die Wandlung vom lutherisch unterrichtetenSchüler in Goldberg zum philippistischen Studenten in Wittenbergund von da zum Anhänger Calvins vollständig zurückgelegt unddamit die feste Meta seiner religiösen Entwicklung erreicht. Einzweiter Begleiter des jungen Barons, der mehr die Dehors zu ver-treten hatte, war Lavinus, von dem wir sonst nichts weiter bei-bringen können.
K. von Zierotin, eine solide Natur, hielt sich nicht, wie mancherandere vornehme junge Mann, bloß als großer Herr, dem es mehr
') S. u. S. 261 die Gedenkworte Joachim Friedrichs für Cirkler.J ) Chlumecky, P. v., Karl von Zierotin u. seine Zeit 1564—1615.. 2 Bde.Brunn 1862. 79. XXIV, 865 S.; 4 Bl„ CCCLII S.