Das Lehrerkollegium in Thabors Zeit. 235
discedit". Leider fand Claius in Frankenstein erst recht nicht dieErfüllung seiner Wünsche. Noch in demselben Jahre oder zu An-fang 1570 siedelte er nach Wittenberg über, um sich der Theo-logie zu widmen. Magister geworden, nahm er aber 1570 nocheinmal eine Rektorstelle, in Nordhausen, an. Dort schrieb er z. B.seine hebräische Grammatik 1 ), deren Ausbau zum Teil auch nachGoldberg gefallen war, denn er sagt 1573, daß er 15 Jahre He-bräisch in der Schule gelehrt habe. 1573 wurde er endlich nachseinem Wunsche Pfarrer in Bendeleben, wo er 1592 starb. InBendeleben hat er außer zahlreichen andern Werken seine Grammatikder deutschen Sprache geschaffen.
Eine wenig faßbare Persönlichkeit, soweit er die Schule an-geht, ist Mag. IL Hartard 2 ) aus Goldberg, wahrscheinlich ein Schülerf rozendorfs. In das Frankfurter Album schon im Sommersemester1552 eingetragen, hat er doch erst seine ordentlichen Studien vom15. Juni 1557 an in Wittenberg betrieben. 1559, als er gerade imMagisterexamen stand, forderten ihn die Goldberger durch Me-lanchthon zur Übernahme des Diakonats in Goldberg auf. Er lehntejedoch als dafür ungeeignet ab, und Melanchthon und G. Maiorsandten für ihn J. Libink aus Liegnitz. 3 ) Seine Wirksamkeit an derGoldberger Schule setzt Bart mit 1565, doch wohl mit Unrecht, an.Er starb 1581 als Bürgermeister in Haynau. 4 )
Eine frische, anregende und allgemein beliebte Persönlichkeitwar Mag. J. Fleischer. 3 ) Im J. 1539 in Breslau als Sohn des wohl-habenden Gastgebers J. Fleischer geboren, erhielt er die erste Vor-bildung in Breslau und besuchte dann unter Thabor die GoldbergerSchule. Am 5. Sept. 1557 in Wittenberg immatrikuliert, ward ere in Schüler Mclanchthons. Mit Unterbrochungen hielt er sich fast14 Jahre in Wittenberg auf und machte nach dem Magisteriumgroße Reisen, um andere Universitäten kennenzulernen. Im Sommer1 5ßl ist er in Leipzig eingetragen und hat 1562 ein Jahr in Bres-lau gelehrt und dabei gelegentlich D. Rhenisch den Älteren imRechenunterricht in der Prima zu St. Elisabeth vertreten. Am
') l'erschmann S. 37, N. 11.
2 ) Zu Hartard vgl. Meltzer, 0., Kleine Beiträge zur Chronik von Gold-ig u.Haynau. Zeitschrift 13 (1876), S. 243—59, wo er aber fälschlich „Har-vard" gelesen wird; Bauch, Bart S. 22; Claius unbekannt.
') Flemming, P., Beiträge z. Briefwechsel Melanchthons aus d. Brief-sammlung Jacob Monaus in d. St. Genevievebibliothek zu Paris. Progr. d. Kgl-L andessch. Pforta. Naumburg a. S. 1904. 72 S. S. G5.
*) St. B.-Br., Bart fol. 206, '•) Bauch , Reformation S. 333f.