230 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule.
irgend einer Stelle des Rates, häufig als Bürgermeister, gewirkt.Öfter hat er sich noch um die Schule zu kümmern gehabt; dochfehlte es auch in der Schule nicht an Unzufriedenheit mit ihm.
Mit J. Claius oder Clay aus Herzberg an der schwarzen Elsterstoßen wir auf den ersten homo novus in Thabors Kollegium. AlsSohn armer Eltern 1535 geboren 1 ), erhielt er 1550 durch Über-weisung einer Freistelle in der Fürstenschule zu Grimma die Mög-lichkeit zur Erwerbung einer höheren Bildung. Der Rektor A. Sibernahm sich seiner liebevoll an, ihm verdankte er die Gewandtheitin der lateinischen Versifikation. 1555 ging er, wieder von demKurfürsten August unterstützt, nach Leipzig; dort wurde JoachimCamerarius sein Lehrer im Griechischen. Auf dessen Empfehlungwurde er 1558 Lehrer in seiner Vaterstadt Herzberg, gab jedochschon 1560 die wenig befriedigende Stelle auf und siedelte alsLehrer nach Goldberg über, wo er 1561 Krumbhorns Nachfolgerals Kantor wurde. Zuerst war er Lehrer in den Anfangsgründendes Lateinischen und als Kantor Gesanglehrer. Nach dem Ab-gang des Heniochus 1564 erhielt er die dritte Stelle und las überVergils „Georgica" und Ovids „Fasten". Dazu behandelte er latei-nische Grammatik für die Älteren und griechische Grammatik fürdie Anfänger nebst gewissen Autoren. Vor dem ziemlich unfrei-willigen Abgang des Pastors Mag. G. Tilenus im J. 1563 unter-stützte er den Rektor Tliabor bei dem Religionsunterricht derjüngeren Schüler. Während Thabor an den Sonn- und Festtagenden größeren Schülern das Evangelium erklärte, veranlaßte erClaius, die kurzen Inhaltsangaben der Evangelien, die Tilenusaußer der Behandlung der Evangelien vor der Gemeinde zuhauseseinen Kindern 'in der Gestalt von Fragen vortrug, von Tilenusniedergeschrieben, den kleineren Schülern zum Auswendiglernenvorzusprechen und die lateinische Übersetzung hinzuzufügen. Später,1586, übersetzte Claius diese Fragen auch noch in das Griechischeund Hebräische. Auch weitere Publikationen schuf er in Goldberg:er zog entweder die Grundlinien für solche oder schrieb und voll-endete andere. Er ist bienenfleißig in Goldberg gewesen und hatbesonders seine Geschicklichkeit in der Versifikation weitergebildet.Ein großer Dichter ist er deshalb nicht geworden; seine Frömmig-keit und die theologischen Neigungen haben die Dichtungen meistdurchtränkt, so daß er vorzüglich zu Thabor und Helmrich paßte.1566 widm ete er zu Weihnachten dem Gönner der Schule Ch. von
') Perschmann. Unsere Angabe der Werke stimmt nicht ganz mitPerschmann.