228 Die Epigonenzeit der fürstlichen Schule.
rieh allein mit einem heroischen „Epithalamium", dem er eine „PiaPrecatiuncula" beigab. Auch daß sein Stiefvater Mag. M. Thabor1578 nochmals heiratete, drückte ihm die Feder in die Hand 1 );wir kennen dieses „Gamelion" schon; auch hier schloß er mitfrommen Sinnsprüchen und einer heroischen „Precatio". Endlichbesang er 1578 mit andern die Verheiratung seines Kollegen, desKantors J. Scholtz aus Sagan mit Maria Klemm aus Goldberg 2 ).Dem langen „Epithalamium" schickte er ebenfalls lange fromm-moralische Sentenzen voraus und ließ auch „Moralia" folgen. DenSchluß fremder Gedichte bilden, wie es bei ihm fast feststehenderGebrauch geworden war, „Precationes". Ein am 16. März 1580geschriebenes heroisches Gedicht an seinen treuen Freund M. Ob-serinus 3 ) bei einem von diesem dem Hauptmann von Münstorbergund Frankenstein und dem Frankensteiner Rate gewidmeten Ge-dicht war sein letzter Sang. Nur anderthalb Jahre überlebte erseinen Stiefvater Thabor, denn schon am 18. Sept. 1580 folgte erihm im Tode nach. Einen Epizediendichter scheint er, der fleißigeGelegenheitspoet, nicht gefunden zu haben.
Bei J. Heniochus müssen wir auch noch einen Augenblick ver-weilen: sein Leben voränderte sich bald. Nachdem er so oft seinGlück versucht hatte, sollte er es doch noch finden, wenn auchin anderer Weise, als er es zuerst erstrebt hatte. 15G4 gab erdie erste Lehrerstelle in Goldberg auf und zog als Kantor zu St. Peterund Paul nach Liegnitz, wo er früher mehrmals hatte Rektorwerden wollen. 1567 heiratete er als Kantor nochmals, wurde aber1568 Geistlicher, Diakonus, vermutlich in Liegnitz, denn in Gold-berg war zu dieser Zeit K. Hoppe aus Löwenberg, der SchülerTrozendorfs, Diakonus oder Kaplan. Im März 1571 erhielt er diePfarrei zu Unser Lieben Frauen in Goldberg und schon im Juni1572 die Pfarrei zu Unser Lieben Frauen in Liegnitz. Dort starber am 3. Aug. 1580, nachdem er im ganzen 38 Jahre Lehrer und12 Geistlicher gewesen war. Obgleich er in Goldberg als „bonuspoeta" geschätzt worden war, hat er nicht einen einzigen Vers imDruck hinterlassen und ebensowenig eine prosaische Zeile.____Der letzte von den alten höheren Kollegen Trozendorfs Mag-
') S. oben S. 224, Antn. 2.
J ) Epithalamium In Nuptias ... Dn. Johannis Sculteti . . . Cantoris inSchola Goldbergensi ... Et .. . virginis Mariae, ... Dn. G. Klemmij, ciuisGoldbergensis Filiae, Scriptum a M. Georgio Helmerico ... Gorlicii Exe.A. Fritsch. 1579. 4°.
3 ) Colloquium Inter Animam Et Hominem De suo vtriusque statu . . • aMatthia Olserino. Gorlicii Exe. A. Fritsch, 1580. 4°.