Thabors Werke und Leben. 223
Jesus möge uns bei der erkannten Wahrheit und Reinheit seinesWortes erhalten und uns zu treuen Arbeitern in seinem Wein-berg machen, daß er uns bei seiner Ankunft nicht schlafend undsäumend, sondern wach, arbeitsam und tapfer finde".
Darauf antwortete Thabor am 15. Mai, er habe den letztenBrief in der Absicht geschrieben, daß ihn der Mäzen erhielte, siehätten also ihr Bedauern nicht nötig. Sein Katarrh sei sehr hart-näckig und noch zur Stunde nicht geheilt. Er sei in diesen Tagenallerdings etwas spazieren gegangen, doch zu seinem großenSchaden, denn der Schnupfen sei schlimmer geworden. Dann ver-teidigte er sich gegen ihre Vorwürfe. Es sei nicht ratsam gewesen,daß Flacius nach Goldberg gekommen wäre; obgleich man nichtsSchlechtes von den Qoldbergern zu befürchten hätte, seien dochunerwartete Zwischenfälle nicht unmöglich gewesen. Er kenne dieLehre des Flacius zur Genüge aus seiner der „Clavis Scripturae"angehängten Schrift; im übrigen hätte er Flacius gern gesehen.
Den Schluß zu dem theologischen Zwischenfall bildete fürThabor ein Briefwechsel mit H. von Zedlitz und Neukirch auf demTaschenhof, der ihm Schriftchen über die flazianische Lehre vonder Erbsünde zum Lesen geschickt hatte. Auch hier schloß ermit den Worten, daß Gott nie der Urheber des Bösen sei. J. Colerhat 1585 die Akten über die besprochenen Vorgänge veröffent-licht. 1 )
Nachdem wir die Tätigkeit Thabors betrachtet haben, bleibtuns noch übrig, das über seine Persönlichkeit und sein Privatlebennachzuholen 2 ), was wir bisher nicht berücksichtigen konnten. Ausseiner Ehe mit Katharina Strobel, der Witwe G. Helmrichs desAlteren, war ihm 1549 ein Sohn Martin geboren worden 3 ), derdie „Opera posthuma" des Vaters .herausgab. Schon im Herbst1558 brachte ihn der Vater nach Wittenberg, wo ihn Melanchthonim Katechismus examinierte und am 2. Okt. seine Eintragung indie Matrikel erfolgte. Doch erst 1571 nahm er dort seine wirk-lichen Studien auf und siedelte im Wintersemester 1574/5 nachFrankfurt a. 0. über. Dort wurde or am 12. April 1575 Bakkalaru nd Magister. Im J. 1576 ging er mit einem Sohne des Grafenv <m Hardeck als Privatlchrer nach Meseritsch in Mähren. Er selbst
*) Historia disputationis seu potius colloquii, inter Jacobum Colerum et«athiam Flacium lllyricum, de peccato originis, habitae in arce LangenawSüesionim 12. Maij Anno 1574. Paulo Ante obitum Illyrici. Berlini TypisN - Voltii. 1585. 60 Bl. 4° [Ex.: Berlin, Staats-B.].
2 )S. o. S. 174. a ) Bauch, Bart S. 16.