100 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.-
Der angeworbene Jurist war J. Figulus (vermutlich Töpfer)aus Nürnberg, der vielleicht mit Unrecht Magister genannt wird.Schon im Sommersemester 1520 war er als Student in Wittenbergeingetragen und hatte als Hörer und Hausfreund Luthers neben derJurisprudenz Theologie getrieben und häufig und gern gesehen Lutherauch auf Reisen begleitet. 1 ) Dann legte er sich ganz besondersauf das Zivilrecht und bildete sich darin zum Privatlehrer aus. AlsTrozendorf auf der Suche nach Lehrern war, ging Figulus auf BittenMelanchthons nach Goldberg, um die Anfangsgründe des Rechts zulehren, denn für diese Arbeit hielt ihn Melanchthon ganz besondersgeeignet, weil er es verstand, sich der Fassungskraft der Schüleranzupassen. Bis zum J. 1553 blieb er in Goldberg; als jedoch imSommer des Jahres die Pest die Schule zerstreute, begab er sichnach Frankfurt a. 0. und entschloß sich im Spätjahr, seine Lekturaufzugeben. Von Frankfurt ging er bald wieder nach Wittenbergzurück und lebte dort bis zu seinem Ende bescheiden, aber zufriedenals Privatlehrer und Repetitor des Rechts. Am 28. März 1565 ister gestorben. Um seine Goldbergor Stelle 2 ) bewarb sich Mag. N.Lauben: Herzog Georg II. erteilte zwar als vormundschaftlicherRegent Figulus die Entlassung, zog jedoch 1554 das Gehalt unddamit die Stelle ein. 3 ) Die Maßregel Georgs war in den Folgender Jahre 1553 und 1554, der Pest und dem Feuer in Goldberg,der zeitweise fast an Auflösung grenzenden Lage der Schule be-gründet. Friedrich III. stellte 1558 die Lektur wieder her. 4 )
Der als Graezist angenommene Mag. G. Seiler aus Siebeneichonbei Löwenberg ist ein Schüler Trozendorfs gewesen. Im Winter-semester 1538 wurde er Wittenberger Student und am 11. Sept. 1543Magister. Bei der Promotion wird er „Poleslaviensis" genannt: daherkönnte er, wie Löschke angibt, von 1542 bis 1546 Rektor in Bunz-lau gewesen und, von dort aus berufen, nach Goldberg gekommensein. Im J. 1550 erging an ihn die Berufung zum Rektor an dieSchule zu St. Peter und Paul in Liegnitz 5 ), und er wurde 1551 alssolcher eingeführt. Auf Trozendorfs Fürsprache 0 ) erhielt er 1554nach dem Tode des Pfarrers zu Unserer Lieben Frauen Mag. J. Titzdiese Stelle, die er bis zu seinem am 10. Mai 1560 erfolgtenTode innehatte. Als Lehrer des Griechischen an der Goldberger
») Scripta VI, Bl. Ff. 6.
*) St. A.-Br., Ortsakten Fasz. XVI, zwei Briefe von Lauben an die Her-zöge Georg II. und Heinrich XL vom 2. Dezember 1553, Groß-Wandris.3 ) Bauch, Bart S. 25. ♦) Ebenda S. 26.
") Abicht S. 16. «) Bauch, Bart S. 34/5.