78 Entwicklung und Blüte der Schola ducalis.
selbst kein Gedicht hinterlassen und traute sich wohl auch nichtdie Fähigkeit zu, den geschiedenen Freund würdig poetisch zuehren. Daher schrieb er an seinen jungen literarischen FreundG. Aemylius (Ömler) aus Mansfeld in Wittenberg und ersuchte ihnunter Beifügung der stofflichen Unterlagen, ein Epitaph für Tlelm-rich zu verfassen und drucken zu lassen. 1 ) Ein ehemaliger Gold^-berger Schüler, Ch. Preyß (Preuß) Pannonius konnte noch weitereAuskünfte geben. Aemylius, obgleich ihm Helmrich fremd war,entsprach dem Ansuchen mit zwei Gedichten, und der junge DichterM. Acontius Urscllanus sowie Ch. Preyß trugen auch drei Gedichtebei. Aemylius schloß noch eine Elegie, „Officium boni consulis"an, die auf Helmrich und seine Ratskollegen, denen er die Epi-taphia zuschrieb, berechnet war. Im Februar 1537 war der Druckbeendet, und die beiden jungen Leute Acontius und Preyß machtensich, da die Fastenzeit begann und die Vorlesungen schwiegen, zuFuß auf den Weg nach Goldberg, um die poetischen Gaben zuüberbringen. Aemylius gab ihnen ein an Trozendorf gerichtetesgeschriebenes Reisegedicht mit auf den treulich beschriebenenWeg. 2 )
Dieses „Propempticon" ist aus verschiedenen Gründen nichtohne Interesse. In neun Tagereisen, über Torgau, Beigern, Ka-menz, Bautzen, Görlitz, Lauban, Löwenberg, Bunzlau ging es nachGoldberg. In Bautzen sollten sie den Prediger J. Cellarius grüßen,in Görlitz den Arzt Mag. J. Sigismund und den Aemylius nicht per-sönlich bekannten Schulmeister Mag. Ch. Lasius aus Straßburg, beiLauban wird des Schulmeisters K. Capelus und seines und Trozen-dorfs talentvollen, frühgestorbenen Schülers L. Zeidler gedacht undbei Bunzlau des Predigers Mag. F. Aenobarbus. Die genaue Be-schreibung des Weges und der Ortlichkeiten verdankte Aemyliuswohl Preyß. Durch das Seizertor traten die Wanderer in die StadtGoldberg ein. Ihre Unterkunft sollten sie an der Ostseite desMarktes bei der Witwe Helmrichs finden.
Dann: „Prima Valentinum sit visere cura magistrum
Doctaque laudatae tecta videre scholae.Templa iacent medium coeli constructa sub orbem,
Ut perhibent, matris nomine sacra Dei.
') Originaldruck scheint verschollen. Trozendorf, Methodi Bl. Aa f.,und in späteren Ausgaben.
2 ) Propempticon Georgii Aemylii Scriptum ad Melch. Acontium &Christoph. Pannonium, abeuntes in Sylesiam. Impr. Vitebergae per J. Clug.1537. 4».