Gürtlers „Elegantiae orationum'. 27
figuren nicht klar geworden, und auch die „Syntaxis ornata" schließter hier wieder mit ein; selbst Orthographisches ist hier und daherangezogen.
Den ersten Band schmücken Verse von Schülern der Gold-berger Schule, von Pranciscus Baldmannus Novimontanus und vonJoannes Joppener Soraviensis, den zweiten solche von Baldmann,der hier 1509 zum ersten Male als Hypodidascalus bezeichnet wird.Joppener, der sich später Johannes Soranus nannte, wurde Magisterartium und Doktor der Medizin. Als praktischer Arzt verlor erin Preßburg seine ganze Habe durch eine Feuersbrunst und tratdarauf in die medizinische Fakultät in Wien ein, wo er im Juni1540 starb. 1 ) Vor dem ersten Teile stehen zwei Briefe Gürtlersan A. Mancinellus und H. Bebel, worin er diesen unter Ausdrückenhoher Verehrung sagt, daß er sie ihnen zur Ehre und der deutschenJugend zum Nutzen ausgeschrieben habe. Von Mancinellus hatihm die „Epitoma elegantiarum" jedenfalls in der Sammlung der„Opera Antonii Mancinelli Veliterni cum quibusdam in locis com-mentaria explanatione Ascensii" vorgelegen; daher dürften wohlauch die Stellen aus Valla stammen, von Bebel, der ihm vielleichtdurch den Krakauer Lehrer dieses Humanisten, Laurentius Corvinus,bekannt geworden ist, die „Commentaria de abusione linguae latinaeapud Germanos et proprietate eiusdem" und der „Vocabulariusoptimarum dictionum".
Das ganze Werk ist Gürtlers Vater Jakob gewidmet, aufdessen Anregung es entstanden sein soll. In seinen Briefadressennennt ihn Hieronymus „grammaticus peritissimus, latini sermonisexplorator Btudiosissimus". Das sieht nach der Schreibweise desSohnes so aus, als wäre auch er einst Schulrektor gewesen. Wenndas Werk auch wesentlich eine Kompilation ist, so war es dochgewiß für die Zeit verdienstlich; uns erschiene es für Schulzweckefast zu umfangreich, für damals ersetzte es ein Lexikon. In dieZeit der Gegensätze versetzt uns eine kurze Schlußbemerkung,worin Gürtler erklärt, daß er kein Gegner der „ecclesiastici", „dia-lectici" und „grammatistae" sei, auf die man aber, vielleicht gegenseinen Willen, den Satz davor beziehen muß, daß er nicht für„barbari et indocti", sondern für „oratores" und „volentes politamet eultam latinitatem consequi" geschrieben habe.
') Die Matrikel der Ungarischen Nation an der Wiener Universität1453—1630, her. von K. Schrauf. Mit 2 Schrifttaf. Wien 1902. XCII, 537 S.S. 197.