16 Die gehobene Stadtschule.
des Alexander im großen und ganzen unangetastet ließ. Erst all-mählich ging man auch daran, dunkle und unnötige Teile desBuches durch das Werkzeug des frühen Humanismus, den eben-falls gereinigten Donatus, zu ersetzen. Am bekanntesten sind dieauf diesen Zweck hinzielenden negativen und positiven VorschlägeJakob Wimpfelings, der Alexander noch wohlwollend gegenüber-stand, in seinem „Isidoneus germanicus". 1 )
Die Vorschläge Wimpfelings in bezug auf eine eklektischeBehandlung Alexanders und die Verwerfung der metagrammatischenKommentare wie für die Gestaltung des lateinischen Unterrichtsüberhaupt fanden begeisterte Aufnahme bei Gürtler; er erklärte,er fände in dem „Isidoneus" die wahrhaftigste Anleitung zumJugendunterricht, und daher schwebte ihm dieses Ideal vor, als er1506 an die Ausarbeitung seines umfassenden „Opus grammaticaeintegrum" ging, das 1507 in Leipzig erschien.' 2 ) Das „iam denuocompendiario sermone in lucem traducta" im Titel sagt uns nachseiner Ausdrucksweise, daß schon eine frühere Ausgabe voran-gegangen ist, die nach der häufigen Erwähnung von „Gedanum",„Thoronia" und „Culmen" vielleicht in ihren Anfängen schon inCulm entstanden war oder in Rücksicht auf die aus Westpreußenmitgebrachten Schüler deren heimatliche Gegend nicht überging.Ein Exemplar davon ist uns nicht in die Hand gekommen.
In der „Epistola introductiva" an die „accurati ast humanissimischolarium praeceptores" läßt er sich über seine und WimpfelingsAnsichten aus, und er hat sich so sehr die Wimpfelingschen An-schauungen zu eigen gemacht, daß diese Vorrede aus wörtlich dem„Isidoneus" entnommenen Stücken für uns sehr sonderbar zusammen-geflickt erscheint. Da aber hier, mit Ausnahme der partiell mildenBeurteilung der Texte des Alexander und Donatus, die positivenStellen Wimpfelings fehlen, so macht sie den Eindruck einesheftigen Angriffs -gegen die hergebrachte Lehrweise, besondersgegen die Casualia und Temporalia im kleinen Donat wie bei Jo-hann Geiler von Kaisersberg und gegen die dunklen Definitionen imAlexander, die von den Schülern mechanisch gelernt würden, ohne daßsie den Sinn verstünden, mit Hilfe der scholastischen Kommentare.
*) Schmidt 1, S. 22; 2, S. 320 N. 10.
2 ) Cingularius, H., Opus grammatice Integrum ac conBumatissimumGermanieque solidissima et prima Iuventutis institutio quam accuratissirnecastigata: et iam denuo Compendiario sermone in lucem traducta . . . Impr.Liptzck per Bacc. Wolfg. Molitoris de Monaco 1507. 190 gez. Bl. 4° [Ex.:Breslau, U.-B.].