Die alte Stadtschule.
standene Quelle für die Lehrtätigkeit der Minderbrüder ist zumTeil das Hausbuch des Goldberger Lehrers und BürgermeistersM. Zacharias Bart aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. 1 ), der abernur von der Predigertätigkeit und der theologischen Gelehrsamkeitder Franziskaner spricht. Barts ganz übersehene Quelle für seineDarstellung und die indirekte des Rates für seinen Bericht von1707 ist die an Johann von Kittlitz gerichtete „Praefatio" desLaurentius Ludovicus zu den „Precationes" Trozendorfs, und zwarnicht bei der 1. Ausgabe von 1564, sondern bei einer späteren' 2 ),nämlich der von 1581. Ludovicus berichtet das von Bart ziemlichungeschickt Wiedergegebene viel ausführlicher und aus dem MundeTrozendorfs, der symbolisch die vorbildliche Sorge der hl. Hedwigfür das Evangelium und die Doctrina in Goldberg auf den Segender Reformation bezog. Er berief sich dabei auf die aus altenDokumenten geschöpften Erzählungen älterer Goldberger Bürger.Bei ihm findet man auch die immer wiederkehrenden Nachrichtenüber den Goldbergbau, die Bergknappen aus der Mongolenschlachtvon 1241, die Verwüstungen der Hussitcn usw. und in den Rand-lemmata auch die Zahlen 1208 und 1212, 1208 aber als Gründungs-jahr für das Kloster von Assisi und 1212 mit der Beifügung von„circa". Die Zahl 1208 als Gründungsjahr für das Goldberger Klosterrührt von Michael Prach her. 3 )
2. Schulverfassimg.
Die von dem Kloster ganz unabhängige mittelalterliche Stadt-schule war gewiß auch sehr alt; sie mag ihren Ursprung bereitsim 13. Jh. genommen und wahrscheinlich schon vor dem Klosterbestanden haben. Der nach den Bedingungen des MA. dafürgegebene natürliche Ort war die von den Parochianen erbauteStadtpfarrkirche zu St. Marien oder zu Unserer Lieben Frauen.Das kirchliche Bedürfnis, die gesangliche Ausgestaltung des Gottes-dienstes, einschließlich der Prozessionen und der Begräbnisse, warbei der Begründung zuerst maßgebend, dann erst das Bildungs-bedürfnis, aber auch dieses wieder mit besonderer Rücksicht aufdie zukünftigen Kirchendiener und Schuldiener, die man fast zujenen rechnen konnte. Wegen der engen Beziehungen zur Pfarr-kirche hieß man solche Schulen, die sich regelmäßig in der Nähe
*) Bauch, Bart S. 31.
2 ) Ludovicus, Praefatio von 1581 Bl. a8.
3 ) Prach Bl. B3v.