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3 (1857)
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o.

Das Rezitativ und seine Handhabung.

Zu Seite 399.

Ein schwerer Uebelsland für das Studium wie'r die Wirkungdes Rezitativs ist es, dass so wenige selbst unsrer ausgezeichnetenSänger und Sängerinnen es vollkommen sinngemäss vorzutragenwissen, der jüngere Komponist daher so selten ein vollgenügendesVorbild für sein Schaffen im Leben findet. Es muss dieser Punktbei der Kompositionslehre zur Sprache kommen, damit dem Einflussirreleitender Vorbilder möglichst gewehrt werde.

Den ersten Anstoss zur Vernachlässigung des Rezitativs habenallerdings die Komponisten gegeben. Die Weise der ältern italieni-schen Oper (die noch auf die Opern Mozarls und seiner Schule,so wie auf die verwandte Gattung des Oratoriums nicht ohne Nach-wirkung geblieben ist) war die: nicht das Ganze als ein solches, alseinen einheitvoll in allen Gliedern ausgebildeten, in allen Einzelheitenin einander greifenden und geschlossnen, durchaus aus einer Ideegeschaffnen und darum durchaus kunstvernünftigen Organismus auf-zufassen; sondern vielmehr in ihm nur eine mehr oder wenigeranziehende, geschickt geordnete Verknüpfung von Einzelheiten zu sehn,die das eigentlich Wesentliche sein sollten und unter denen dannwieder die Arien der ersten Sängerinnen und Sänger als Glanzpunktehervortraten. Da die Handlung, der Zusammenhang des Ganzenhiermit zur Nebensache wurde, so konnten auch die Rezitative, dieblos zur äusserlichen Verknüpfung dienten, keine sonderliche Bedeu-tung und Beachtung finden, so dass man sie in Deutschland undFrankreich zuletzt lieber durch natürliche Rede ersetzte. Unter denMozartschen Opern ist Idomeneus noch ganz ein Werk ältereritalischer Weise, obwohl allerdings in mehrern Arien, im Terzett,Quartett und mehrern Chören sich die Uebermacht des Mozart-scheu Genius glänzend offenbart, bisweilen in einer dramatischenTiefe und Wahrhaftigkeit, die selbst in den spätem Meisterwerkennur selten wieder erstrebt worden ist.

Unter solchen Umständen haben denn die Komponisten das Re-zitativ leichter behandelt. Einzelne Partien desselben wurden anzie-hend befunden und trugen dann das Siegel der schöpferischen Machtan der Stirn; das Uebrige wurde leicht, bisweilen gar sehr leichthingeworfen, ja nicht selten Schülern, sogar erfahrnen Theater-kopisten zur Ausfüllung und der Einsicht und Laune der Sänger zubeliebiger Ausführung überlassen, die aber in der Regel eben so