611
zu Aufgaben, die man früher in solcher Weise für unlösbar hättehalten müssen*), und die vier Hände verdoppeln nicht etwa dasVermögen, sondern rauben auch äusserlich jedem der an einandergedrängten Spieler einen erheblichen Theil seiner Wirksamkeit.
Unter diesen Umständen ist es natürlich, wird auch sein Bewen-den dabei behalten, dass Originalkompositionen nur selten vierhändigabgefasst, dass aber Uebertragungen vollstimmiger Orchesterwerkegern und öfters der Vierhändigkeit anvertraut werden.
Allein der Unterweisung bedarf es dabei nicht. Wer die Technikdes Instruments kennt, wird bei einigem Nachdenken leicht finden,was er mit vier Händen auszurichten und wie er seinen Stoff unterdie beiden Spieler und die vier Hände zu vertheilen hat. Musterhaftsind in dieser Hinsicht die grossen vierhändigen Sonaten von Dns-sek, Mozar t’s vierhändige Kompositionen (nur dass er, um es denzu seiner Zeit wenig geübten Spielern stets bequem und dabei je-dem stets anziehend zu machen, die Melodie öfters in zu tiefenLagen vorbringt, wenn er einen Satz wiederholen und dabei denzweiten Spieler bedenken will), Friedrich Sch neide r’s vier-händiges Arrangement von Beethoven’s Sinfonio. evoica , undmanches andre Arrangement von Hummel, Czerny und Andern,die wir nicht alle hier zu nennen im Stande sind. Czerny hatin seinen Bearbeitungen B e e t h o v e n’scher Orcheslerwerke den Satzfür vierhändiges Spiel bedeutend und mit eben so viel Ingeniositätals Sorgfalt bereichert. Nur das können wir nicht gut heissen,dass er, um freien Spielraum für Figuren und Stimmfülle zu gewin-nen oder auch der Spielseligkeit des Piano zum Ersatz der uner-setzlichen Orchcstereffekte Zutritt zu öffnen, zu Zeiten die Stimm-lagen ändert, oft in die höchsten Oktaven sich verliert und damitdie Orchesterartigkeit des Originals und überhaupt die Treue gegenletzteres aufopfert bis zur Erregung falscher Vorstellungen vom Ori-ginalw'erk.
*) Mit grosser Achtung ist hierLiszt’s zweihändige Darstellung vonBeethove n’s C molI-Symphonie zu nennen. Die Pastoralsyniphonie verliertauf dem Klavier bei jeder Art der Darstellung gar zu viel.
39 *