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■•ritte Ahtheiluug.
Die Liedform.
Das Rezitativ war die geeignete Form für solche Texte, diezwar durch ihren Inhalt (oder auch nur durch ihr Verhältnis alsTheile eines grossem musikalischen Ganzen) sich in die Sphäre der.Musik erhoben, aber noch nicht zu einer der festen Musikformengelangen konnten, weil sie keine feststehende Stimmung an sichhatten, durch die ein bestimmter musikalischer Ausdruck möglichgeworden wäre. Daher musste sich die Musik dem Wort, der Redein allen ihren einzelnen Momenten bei- und unterordnen. Für dasWort, für jeden einzelnen Zug wurde sie bedeutend, und allerding-verbreitete sich von da aus auch eine allgemeine, dem Sinn des Tex-tes im Ganzen entsprechende Stimmung. Aber nicht diese W'ar ihrwesentliches Ziel, sondern jener Einzelausdruck; das Allgemeineergab sich beiläufig, so weit es eben ging; das Besondre von Mo-ment zu Moment war die eigentliche Kraft der Komposition.
Jetzt kehrt sich das Verhältniss um. Ein Text, z. B. einGedicht , bietet uns in seinem ganzen Zusammenhang feste fürMusik geeignete Stimmung, während seine Einzelheiten entwederfür bestimmte musikalische Auffassung durchaus nicht geeignet sind,oder doch für dieselbe einen weniger günstigen Stoff bieten, alsdie Stimmung, der Seeleninhalt des Ganzen.
In diesem Fall ist es die Stimmung des Ganzen, die der Kom-position zur Aufgabe wird. Diese Stimmung ist dann ein fester,bestimmt zu fassender Gegenstand; es ist Freude, und zwar kind-liche, oder Naturfreude, sanfte oder stürmischer erregte, — oder esist Trauer, Wehmuth, Zärtlichkeit u. s. w., — oder der Uebergangaus einem dieser Gemüthzustände in den andern, die Folge zweierZustände, — also wieder ein in sich einiger und darum bestimmtzu fassender Moment des Seelenlebens. Und weil die Stimmung,die den eigentlichen oder vornehmsten Inhalt des Gedichts ausmacht,eine bestimmte ist: so ruft sie auch in der Komposition eine be-stimmte Form, — weil sie eine einfache ist, ruft sie eine einfacheForm hervor. Die bestimmte und einfache Form der Musik ist aber,wie wir wissen, Satz, Periode, Liedform; — im Gegensatzzu der unbestimmten Form des Gangs (und Rezitativs, wie wirjetzt zusetzen können) und den zusammengesetzten Formen desRondo u. s. w., die wir einstweilen nur als Instrumentalformen ken-nen gelernt.