Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
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442
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Vierte Abtlieilimg.

Die Begründung der Chorkomposilion.

Die Chorkomposition bedarf wegen ihrer Wichtigkeit und wegendes Reichthums an Mitteln und Formen, den sie in sich fasst, einervorbereitenden Lehre. Diese ist der Inhalt der jetzigen Abtheilung;die folgende führt uns zu den Chorformen.

Erster Abschnitt.

Chor und Chortext.

Der Chor ist bekanntlich (S. 345) die Vereinigung einer Mehr-zahl oder Masse von Singenden zur Ausführung einer oder, beimehrstimmigem Salze, zur Ausführung einer jeden der den Salzbildenden Stimmen. Alle die verschiednen Individuen, die im Chorzum Vortrag einer Stimme, z. B. des Diskants oder Basses, ver-einigt sind, stellen eine einige Person dar.

Sie sind eine Person, nicht aber ein einzelner Mensch. DiePerson, welche durch eine Chorstimme also durch eine Massevon Individuen dargestelll wird, ist viel mehr; sie ist ein idealesWesen, das eine ganze Klasse von Menschen, die Jungfrauen, dieJünglinge, die Männer, die Matronen (S. 360), oder wie man siesich vorstellen will, in die feste und mächtige Einheit einer Personbringt. Dies ist sie für den Künstler; seine Aufgabe ist, auch inder Vorstellung des Hörers diese Idee zu beleben.

Jede der Chorstimmen ist also eine ideale Person für sich,die ihr eignes Leben und Wesen, ihren eigenthümlichen Karakler,ihre eigenthümliche Gefühls- und Ausdrucksweise (S. 357) hat. Waswir schon in den abstrakten Uebungen der Begleitungs -, Figural-und Fugenlehre erkannt und uns als Ziel vorgesetzt haben, dieBedeutsamkeit und der Reichthum der Mehrstimmigkeit, besondersder eigentlichen Polyphonie, die Karakteristik und Gegenselzung derStimmen: das tritt nun in das Leben; und zwar an den bedeutend-sten Organen, an den Menschenstimmen, in der aufklärenden Ver-bindung mit der Sprache. Hier ist also der Punkt, das Studiumder Polvphonie und zugleich das der Stimme und musikalischen Rede