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einem Jahrzehnt ein heisser Anhänger ersehnte) noch keine Bachund Beethoven ,,hervorgebracht“ : so hat das vielleicht darinseinen Grund, dass überhaupt keine Lehre in der Welt für sichvermag, wozu Naturell, Zeit und die Konstellation günstiger Ver-hältnisse mit ihr den Bund schliessen müssen. Keine Lehre, keinLehrer kann die Schüler schaffen; mau kann sie nur nehmen, wiesie sich darbieten, muss sie aber dann so gut und vollständig, alsVorarbeiten und eignes Vermögen gewähren, unterrichten undbilden.
Was nun die Formlehre belrifl’l, so kann ihr nur dreierlei ob-liegen ; nichts davon darf versäumt werden, wenn Erkenulniss,Thatkraft und Selbständigkeit gedeihen sollen.
Das Erste ist, dass jede Gestaltung, zu der man tritt, ausdem Vorhergehenden entwickelt und im blossen Grundrisse (theo-retisch) gezeichnet werde. Hiermit weiss der Schüler, was ge-schehn soll.
Das Zweite ist, dass der Schüler zum eignen Bilden geführtwerde. Dazu arbeitet der Lehrer die jedesmalige Aufgabe demSchüler auf der Stelle und aus dem Stegreif, unter steter ße-rathung mit demselben, im Entwurf’ oder in voller Ausfüh-rung, nach Umständen auch nur theilweise, vor. Hier sieht derSchüler das Werk vor sich entstehn, erhält von allen Erfodernis-sen und Wegen praktisch die Anschauung, muss sich auf alle zurSache gehörigen Erwägungen einlassen. So aufgeklärt und ange-reizt tritt er nun zum eignen Bilden. Die Vorarbeit ist ihm nichtMuster, sondern Hiilfsmittel zur eignen Einsicht und Erkenntriiss;sie kann ihn daher nicht fesseln oder zur Nachahmerei verleiten,sondern nur aufklären und leiten. Muster — wenn man derenhaben wollte — kann die Vorarbeit nicht sein, denn sie ist nichtKunstwerk, nicht aus künstlerischem Antrieb’ und in künstlerischerVertiefung hervorgegangen. Das kann auch nicht gelehrt und ver-liehen werden, wohl aber jene Werktüchtigkeil, die Goethe (S. 582)im Sinne hat und ohne die es keinen Künstler giebt; zu der kannund muss angeleitet und gefördert werden.
Jetzt weiss der Schüler nicht blos, worauf es ankommt, er hatsich schon mit eigner Kraft und That in die Form, die ihm eigenwerden soll, hineingefunden. Nun erst ist das Dritte an derZeit; nun erst wird der Schüler in die Meisterwerke eingeführt,ihre Form wird ihm aus ihrem Inhalt’ erläutert, die Abweichungenvom gegebnen Grundriss’ und der Vorarbeit werden gewiesen und er-klärt, das Mangelhafte oder Verfehlte der eignen Arbeit wird ge-genüber den Meisterwerken begreiflich. Das fodert Vertiefung, alsoWeilen; die Meisterwerke nehmen uns ein und hin, ihre Ueber-legenheit mag einen Augenblick betroffen machen, — und nur derMarx , Komp. L. III. 3. Aull. 39