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nannt, „nach der sich alle Meister ohne Ausnahme gebildet. Allehaben (setzt er zu) die Werke guter Meister sludirt, die Bildungs-maximen derselben sich abstrahirt, und danach unablässig eigne Ge-staltungen versucht.“ Wunderlich nimmt sich dabei die Schaar vonHunderten ein-, zwei- und viertakliger Fragmente aus, die dem„Studium der Meister“ zum Grunde gelegt werden, indem sie zu„Modellen“ für die Motive des Schülers und seine „thematischenVersuche“ dienen sollen. So haben die Meister keines-wegs studirl.
Der Gegensatz, wiederholen wir, des empirischen und unsersVerfahrens ist nur ein scheinbarer. Am allerwenigsten wird, werauch nur einen flüchtigen Blick in diese Bände gethan, ihn dahinaussprechen: das eine Verfahren lege die Meister dem Studiumzum Grunde, das andre nicht.
Von Zweien kann nämlich auf dem Wege der alten Lehre nurEins geschehn.
Entweder beschränkt man sich auf ein einziges Muster, —nehmen wir an, in den Fugen von Bach, in der Sonatenform vonBeethoven. Aber nicht zwei Fugen, nicht zwei Sonaten sindgleichgebildet, bei jeder folgt die Gestaltung dem besondern Inhaltund Antriebe. Die fremde Form nun in rücksichtloser Anwendungauf jeden beliebigen Vorwurf schablonenartig wiederholen, tödtetdie Denkkraft, lähmt die Phantasie, bildet nicht Künstler, sondernknechtische Nachahmer. Vergebens hat E. T. A. Hoffmann einstdas ganze Mo zart'sehe Requiem Zug um Zug nachgebildet; esblieb todtes Machwerk und er ein Dilettant.
Oder man bleibt nicht bei einem einzigen Muster stehn, mansammelt deren mehrere, viele, — vergleicht, beurtheilt sie, bildetsich so ein allgemeines Urtheil von der Sache, wonach man selberverfahren will. Aber das ist ja das rationelle Verfahren ! Nur dassdie alle Lehre und ihre neuen Wiederholer sehr bald zurücktretenund die Arbeit dem Schüler überlassen, — wenigstens nach ihrenSchriften zu urtheilen. Dabei ist besonders Eins bedenklich, jaunerträglich; das nämlich: dass Jeder die Arbeit für sich vonNeuem beginnt, die irgend wie weit schon von Andern gethan ist.So kann kein rüstiger Fortschritt statlhaben, so stockt der Flussdes Lebens und verzettelt der Einzelne seine Jahre. Und dazuwird auf den Vorgang der Meister verwiesen! Natürlich habenunsre Vorgänger nicht Bildungswege gehn können, die sich erstnach ihrer Zeit erschlossen. Wenn Einige von ihnen gleich-wohl zu meisterlicher Vollendung gelangt sind, so ist das begreif-licher Weise nicht dem Mangel allgemein zugänglicher Bildungs-mittel zuzuschreiben, sondern der Kraft in ihnen, jenen Man-gel zu ersetzen. Und wenn die neue Lehrweise (wie schon vor