Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
606
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schlägt die Hälfte des ihr Anvertrauten unter: so betrügt sieder wahreGeizhals, der sich selbst bestiehlt sich selber undden Schüler um ebensoviel des ihm gebührenden Reichlhums, unddazu um Einsicht und Freiheit; sie sperrt ihn ein in ihre Enge,mag er sehn, wie er loskommt.

Ein zweiter Grund, die Formen nicht spärlich, sondern in Fülleaufzuweisen und durcharbeiten zu lassen, liegt in dem unverleug-baren Bedürfniss ausgedehnter Uebung. Niemand wird an ein PaarVersuchen Komponist, an ein Paar Fugen oder Sonalensätzen derFugen- oder Sonatenform mächtig; Meisterschaft fodert und ver-dient umfassende durchdringende Bildung. Was soll also geschehn?will man den Schüler an einer oder wenig Formen festhalten undmit deren wiederholter Durcharbeitung ohne Wechsel und Fort-schritt ermüden? oder will man die Zahl der unerlässlichen Hebun-gen auf die verschiednen Formen vertheilen und dem Schüler dienur bei stetem Fortschritt mögliche Frische bewahren? DieWahl kann, seihst abgesehn vom reichern Gewinn und Ueberblick,nicht zweifelhaft sein.

Ein dritter Grund endlich für reiche Gliederung und Durchar-beitung der Formen liegt in dem Bedürfnisse, den Schüler zumSelbstanschaun, Selbstdenken und damit zu Freiheit und Selb-ständigkeit zu bringen. Vorerst nimmt ihm jede Aufgabe seineFreiheit; wmrum soll er gerade Dies arbeiten und nichts Anderes,das ihm vielleicht näher liegt? warum soll er es so und nicht andersmachen? gleichwohl ist keine Lehre und Bildung ohne bestimmteAufgaben gleichviel, welche und in welcher Folge denkbar.Wie soll man nun den Schüler aus dieser augenblicklichen Unter-jochung zur Freiheit führen? Indem man ihn selber die Einseitig-keit jeder Aufgabe und die Unanw r endbarkeit jeder Form auf andreVerhältnisse durch anders geartete Aufgaben klar erkennen lässtund ihn damit auf eine neue Wendung das heisst: Formnach der andern hinleitet. So lernt er viele Formen kennen, jedebestimmtem Zweck und Inhalt gemäss, bis er dahin gelangt, dassjeder Inhalt seine gemässe Form findet oder sich neu bildet. Bei-spiele für dieses Verfahren finden sich überall in diesem Werke,unter andern in der Fugenlehre und ihrer Methodik, Th. II, S. 528und 566. Hier knüpft sich der Fortschritt an den Uebergang zumzweiten Theile. Was ist da zu thun? Zunächst scheint nurzweierlei möglich; es kann

1) sogleich wieder das Thema, oder zuvor

2) ein neuer Zwischensatz

eintreten. Das Erste wird als Nächstliegendes zuerst ausgeführt,und zwar gern an einer Mollfuge, wo der Uebertritt in die Paral-lele dem sofortigen Wiedererscheinen des Themas in der frischen