Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
602
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innern Verwandtschaft nicht nur keiner weitern Ausführung, son-dern häLten sie gar nicht zugelassen, wenn man nicht in abmattendeWiederholung oder fremdartige Wendungen, in Steigerungen undAufreizungen über den sanften, stillen Sinn des Ganzen hinaus sichverirren wollte ; der zweite Gedanke der Seitenpartie und der Schluss-satz aber, so vollkommen sie ihrer Bestimmung im Zusammenhängedes Ganzen entsprechen, sind für sich zu wenig bedeutend und er-giebig, als dass sie höhere Befriedigung geboten hätten, als jenesneue Gewebe, das vor ihnen den Reiz der Neuheit und Frischevoraus hat.

Oder sollte der mittlere Theil ausfallen und die Sonatinenformerstehn? Dazu war der Inhalt uns zu innig ans Herz gelegt;sollte nach dem Schluss des ersten Theils sogleich wieder der Haupt-satz im Hauptton u. s. w. folgen, so würde diese Hast unser Ge-fühl, die Sinnigkeit des Ganzen gestört haben.

Oder sollte endlich eine fünfte Rondoform geschaffen werden? Die hätte wieder einen fest- und vollausgeführlen zweiten Sei-tensatz gefedert, im Widerspruch und zur Beeinträchtigung der soleichten und wechselvollen zarten Sätze, aus denen der erste Theilgewoben ist.

Aehnliche Bewandtniss hat es mit Mozarts Fdur-Sonate, diewir bei No. 310 kennen gelernt. Der zweite Theil hebt in Gdurmit einem neuen Salz au, der wiederholt wird und mit all den vor-ausgegangnen Sätzen nur durch die Stimmung des Ganzen zusam-menhängt. Nach ihm wird weder aus der Haupt- noch aus der Sei-tenpartie ein Satz, sondern aus letzterer das Gangmotiv ergriffenund hiermit auf die Dominante von Dmoll und dann kurzweg zumdritten Theil gegangen. Jener erste neue Satz ist zu unbedeutend,als dass man ihn für den zweiten Seitensatz fünfter Rondoform an-sehen könnte; die ganze Ausführung ist (wie in den meistenSonaten von Mozart) leicht und kurz gefasst, doch aber bedeutendgenug, um den Gedanken an die Sonatinenform auszuschliessen.Wir müssen also auch hier die Sonatenform, wenngleich in nichtreicher Entwickelung, anerkennen.

Die Rechtfertigung dieses Verfahrens liegt aber in der leichtenWeise des ganzen Werks und in dem Grundkarakter MozartscherKlavierkomposition, über den wir uns, namentlich im Gegensätze zuBeethoven, schon S. 592 ausgesprochen haben.