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Wesen dieser besondern Werke zu erkennen gehabt. Wenn wiraber diesen Abweichungen auch anderswo ohne die rechtfertigendenGründe Zulass geben wollten, — etwa um originell oder neu zuerscheinen, — so würden wir so gewiss von der Wahrheit, vomRechten und allein Wirksamen abweichen, als Beethoven abge-wichen wäre, hätte er an der allgemeinen, hier aber nicht mehr zurechtfertigenden Form haften wollen. Beide Verirrungen sind nurderselbe Fehler: Mangel an innerlicher Wahrhaftigkeit und Treue.
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Dass nun der Künstler auch bei solchen Abweichungen nicht um-ständlich und b e w us s t-a usr e c h ne nd zu Werke geht, wie wirfiir das Studium ihm nachreehnend gefolgt sind, dass er das Rechtevielmehr durch augenblickliche Anschauung im Segen schöpferischerStunden ergreift: ist gewiss. Allein diese Anschauung, diese Begeiste-rung ist nichtsdestoweniger nur eine Aeusserungsweise der künstle-risch ausgebildeten Vernunft. Die Arbeit des Denkens ist bildend vor-ausgegangen und jede scheinbar aus unmittelbarer Eingebung hervor-springende Schöpfung ist nur ihre Blüte, bei der gar leicht die Arbeitund der Zusammenhang beider vergessen wird. Daher kann es oftder Fall sein, dass der schaffende Künstler sich selber der Gründeund Wege, die ihn zum Resultat geführt haben, nicht bewusst ist,oder erst später bewusst wird; demungeachtet sind jene vorhandengewesen, und dieselbe Gedankenreihe, in der wir sein Werk begrei-fen, muss — vorausgesetzt, dass wir es wahrhaft begriffen — seinGeist irgendwann und irgendwie durchlaufen haben.
Hierzu finden sich in der That in den Ueberschriften, Bezeich-nungen, Vorreden, mündlichen und brieflichen Aeusserungen der gröss-ten Künstler so viel Behage, dass man kein Recht hat, die Gedanken-arbeit im Künstler zu bezweifeln, oder das Streben, ihn gedanken-mässig zu begreifen, als ein dem Wesen der Kunst fremdes und feind-liches zu scheuen oder nichtig zu meinen. Es ist vielmehr der ein-zige Weg, sich am Kunstwerke zu bilden. — Statt vieler Beläge stehehier ein einziger kleiner aus einem Briefe Mo za rt’s vom 26. Septem-ber 1781, in dem er seinem Vater die Beweggründe mitlheilt, dieihn da und dort bei der Komposition von Belmonte und Konstanzegeleitet haben. Bisweilen sind diese Gründe zufällig und äusserlicheingreifende, wenn auch keineswegs unkünstlerische; z. B. wenn erbei der Osmin-Arie an den Sänger (Fischer) denkt und dessen „schönetiefe Töne schimmern lassen“ will. Oft treffen sie aber unmittelbardas Wesen der Sache, mag auch der formell-logisch nicht sehr ge-übte Tondichter sich weniger schulgerecht aussprechen. So heisstes von derselben Arie zuletzt: „Das: drum beim Barle des Prophe-ten — ist zwar im nämlichen Tempo, aber mit geschwinden Noten,