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sondern schales Machwerk, so wird kein Künstler erzogen, sondernZweifelmuth und Gleichgültigkeit.
Und ferner: wozu dienen diese Vorversuche, wenn sie nichtalle Gestalten vollständig liefern? kann nicht gerade die 51ste, vorder man stehn geblieben, die rechte sein? oder die 501ste? und woist, wenn man auch erschöpfend sein und Jahre für einen einzigenFall aufwenden wollte, das Ende zu finden? Nirgends; die Ge-staltenreihe wächst mit jedem neuen Schritte, statt sich zu er-schöpfen, wie dieses Werk überall bewiesen hat.
Und endlich: hier liegen nun 50 oder 500 „mannigfaltigeSkizzen“; daraus sollen „die besten Modelle zu wählen“ sein.Das unkünstlerische Wählen (der Künstler wählt gar nicht) magdahingestellt bleiben; aber nach welchem Bestimmungsgrunde sollman wählen? welches „Modell“ ist das beste? giebt es überhauptein schlechthin Bestes? Unmöglich wird mau einen andern Bestim-mungsgrund auffinden, als die Idee und den Zusammenhang desGanzen; sonst könnte man willkiihrlich Sätze (z. ß. Seitensätze) deseinen Rondo oder Sonatensatzes in ein ander Rondo versetzen.Man versuche das nur, selbst bei demselben Komponisten, aus der-selben Periode desselben, bei gleicher Ton- und Taktart!
Niemals hat ein Kunstwerk so entstehn, ein Künstler (ausserbei den Spässen des Polpourri’s) so verfahren können. Kein Kunst-werk wird zusammengestückelt aus dem Schutt von Vorversuchen,es würde, hätte sich auch Leben geregt, an dem erkältenden, biszum Uebelwerden schalen Herumversuchen vor der Geburt erstickt.Der Künstler, getrieben von seiner Empfindung oder Idee, im Iri-schen Behagen der schöpferischen Kraft überlässt er sich, sobalddie Keime, wie die Knospen im Frühjahr zum Herausbrecheuschwellend gezeitigt sind, dem Zuge des Ganzen. Nichts darf ihnhier stören und irren, wenn der Lebensstrom nicht verzettelt undgetrübt werden soll; die Kräfte dazu muss er zuvor, vor demBeginn in sich gesammelt und gezeitigt haben.
Hierzu muss der Schüler erzogen werden. Schritt für Schrittmuss man ihn von den einfachsten Bildungen zu den grössten undzusammengesetztesten emporleiten, an jeder muss ihm Einsicht,Lust, Bildungskrafl, Umbiick und Herrschaft über alle Möglichkeitendes Geslallens wachsen. Dann tritt er zu jeder höhern Aufgabemit erhöhter und zureichender Kraft und hat nicht nöthig, mittenim Gestalten seiner Schöpfungen sich durch endlose Versuche umStimmung, Lust und Selbstgewissheil zu bringen.