Themate, oder Motive zu denselben, zuvörderst irgendwie notirthaben, bevor sie an den eigentlichen Entwurf gingen; natürlichkann überhaupt der Entwurf nicht begonnen werden, bevor manirgend einen Theil des Inhalts, vor allem den Anfang, gefunden.In diesem Bande selber (S. 329) ist auf den Vortheil hingewiesenworden, den es gewährt, wenn man vor der Ausführung einesWerks die Hauptmomente desselben gefasst hat. Wie viel das abersei, ob man das Gefundne notirt oder im Gedächtnisse bewahrt, dasmacht sich bei verschiednen Künstlern , ja bei demselben Künstlerunberechenbar verschieden. Mendelssohn hatte den ersten Theilseiner Ouvertüre zum Sommernachtstraum vollständig in Partiturgebracht, als er bewogen wurde, Alles mit alleiniger Ausnahmeder vier ersten Akkorde und des Elfentanzes schlechthin wegzu-werfen und das Ganze so, wie es bekannt geworden, zu gestalten;der Satz (//dur), der auf die Rüpel und den verwandelten Zettel(gis-ais) hindeutet, kam unter dem Schreiben zuletzt zu, und dannerst konnte an den zweiten Theil gedacht werden, während derSchluss (Rückkehr des ersten Satzes) von Haus’ aus feststand,aber unnotirt, blos im Sinne behalten. Nach Verwerfung der er-sten Partitur war also gar kein Inhalt festgestellt als die Einleitungund der E'moll-Satz. —
Nun aber lässt jene Anleitung gerade das, was erste undunerlässliche Bedingung jeder künstlerischen Schöpfung ist, voll-ständig aus den Augen, oder vielmehr, macht es von Grund ausunmöglich: den Drang und die Lust des Gestaltens, die in ihrerhöchsten Potenz Begeisterung (gänzliche Erfülltheit des Geistes vonder einen Idee, augenblickliches Aufgehn des ganzen Daseins indiese eine Idee) heisst, — und die nur daher erreichbare Einheitund den Fluss des Werks, das als wirkliches Leben dahinströmt.Wie verwaltend diese Bedingung vor allen Einzelheiten ist, kannvielleicht an keinem Werke so schlagend gewiesen werden, als anMozart’s Ouvertüre zu Cosi fan tutte. Mau darf jeden einzel-nen Satz des Allegro unbedeutend nennen, — und das Ganzeströmt im frischesten Lebensergusse reizend und unwiderstehlichmit forlziehend dahin; so mächtig waltet der unverkümmerte, ganzungehemmte Gestaltungstrieb.
Wie soll dergleichen möglich werden, wenn man erst an je-dem Satze herumprobirt und 20, 40, 50 Gestaltungen aufsucht undniederschreibt, bevor man an den eigentlichen Entwurf geht? Wiesoll man da nicht ermüdet, ja angewidert werden von dem ewigenund niemals zu wirklicher Vollständigkeit kommenden Herumpro-biren? Das heisst nach dem alten burlesken Worte: ,,den Enthu-siasmus auf Flaschen ziehn“. So entsteht kein Kunstwerk,