Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
583
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dächtniss anvertraut oder in Skizzen, Notizbüchern u. s. w. (wieder von Reisen vielzerstreute Mozart) festhält: das Alles Richtetsieh nach Persönlichkeit und Umständen; Niemand hat da einzn-reden.

Dem Schüler kann die Freiheit des Künstlers nicht gewährtwerden, ans dem einfachen und unumsLösslichen Grunde, weil sonstRichtung und Zeit des Lehrgangs unberechenbar wären. Er musssieh bestimmten Aufgaben unterziehn, und er muss sie sofortangreifen und durchführen. Nicht unbedacht und ohne Sammlungsoll er herantreten, aber eben so wenig darf er sich jenem Ent-gegenharren aufglückliche Einfälle, aufStimmung (und wüedie Ausreden sonst heissen, hinter denen sich Zerstreutheit undSchlaffheit bergen) hingeben. Er muss das Goethesche Wort überseine Thür schreiben.

Das ist die Tapferkeit des Schülers und des Künstlers.Ohne sie hätten die Meister nicht so unglaublich viel schaffen kön-nen und werden die Jünger nicht Meister. Unter Hunderten vonSchülern hat der Y r erf. die rasch Zugreifenden stets als dietüchtigsten und aussichtvollsten, die Wähiigen stets als die zwei-felhaften befunden.

Mit dem Entwürfe beginnt erst die wahre Arbeit und zu-gleich die wahre unaufhaltsame Schaffenslust. Das Vorhergehendegiebt die Möglichkeit eines Werks, der Entwurf seine Wirklich-keit. Einiges (mehr oder weniger) ist vorhanden und gewiss,Andres unbestimmt, Andres fehlt noch gänzlich. Jetzt gilt es,Thalkraft und jene Tapferkeit vereint zu bewähren. In Einem Zugemuss das Werk oder wenigstens ein wesentlicher karakterbe-slimmender Tlieil desselben hingeworfen werden. Was sich beider Ausführung sicher von seihst Endel, was unter dem Entwerfenzweifelhaft oder noch gar nicht vorhanden ist, bleibt weg, wie dieEntwürfe in diesem Werke zeigen. Warum soll man nicht einWort drucken lassen, das man sich nicht scheut auszusprechen?Der Verf. sagt säumigen unentschlossnen Schülern:

Der Zweifel ist der Teufel!und er ist es, der Thatkraft und Freude zernagt.

Im Entwürfe wird das Werk festgestellt wenn auch nurim Umrisse. In ihm wird dem Schaffenden erst seine Stimmungfest, sein Vorhaben klar. In ihm wird erlangt, was erste undletzte Bedingung jedes Werks ist: Einheit und Fluss des

Ganzen; ohne sie bleiben alle möglichen Einzelheiten nichts alsSchutt, oder zusammengebackner Staub, Pise nennt es einGoethescher Denkvers in sehr verfänglicher Weise. Daher sollman den Entwurf zwar, nachdem er vollendet, nicht eher!wiederholt und gewissenhaft prüfen, aber nicht ohne dringende Noth,