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3 (1857)
Place and Date of Creation
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den Entwurf,

der der eigentlichen Ausarbeitung und Vollendung einer Komposi-tion namentlich einer grossem vorangehn muss.

Jede Komposition ist ein Fortschreitendes; die Gedanken be-wegen sich von Takt zu Takt vorwärts bis zur Vollendung desGauzen. Das ist der Lebensfaden des Werks. Aber injedem Takt, in jedem Zeitpunkte breitet sich der Inhalt in derForm von Begleitung, Gegenstimmen u. s. w. aus. Das Insge-sammt von dem Allen bildet die Fülle des Lebens. Beideszusammengenommen ist erst das volllebendige Werk. Jeder mehrals einstimmige Satz, selbst jeder Harmoniegang giebt diesen An-blick. Der Satz bewegt sich vom Anfang bis zu seinem Schlüsse;mit diesem erst ist er ein Satz geworden, dieser Fortschritt istalso die Bedingung seines Daseins. Was diesem seinem Lebens-faden sieb an melodischen Momenten, Harmonien und sonstigemZubehör anreiht, oder vielmehr: was diesen Lebensfaden ma-teriell bildet, dar ist die Fülle, der Inhalt des Satzes.

Beides, Fortgang und voller Inhalt aller Momente, bietet sichkeinem Künstler auf einmal dar (weil der Mensch nicht zweierleiauf einmal denken kann), sondern nur nach einander. Dies Nach-einander kann mehr oder weniger rasch erfolgen, je nach der gei-stigen Schnellkraft des Schallenden und der Ausdehnung und Fülleseiner Aufgabe. Jedenfalls aber fodert Beides, Fortführung desGanzen zum Ende, Vertiefung in die einzelnen Momente und Er-füllung derselben, sein Recht und will Jedes nach seiner Naturbehandelt sein, die Fortführung unaufhaltsam und ununterbrochen,die Erfüllung mit jener Besonnenheit und Sammlung, ohne diekeine Vertiefung möglich ist.

Daher haben alle Künstler, Dichter, Bildhauer, Maler,Musiker, stets der Vollendung ihrer Werke, wenigstens allerumfassendem, Entwürfe, Modelle, Zeichnungen und Farbenskizzenvorangehn lassen; es sind deren ebensowohl von Raphael undRubens als von Mozart und Beethoven bekannt. Ob einmalirgend ein Musiker (wie man vom Maler Horace Vernet erzählt)ungestraft eine Ausnahme macht, durch ausserordentliche Erinne-rungs- und Vorstellungskraft begünstigt: das ändert nichts an derNatur der Sache. Dieser gemäss wird in den allermeisten Fällenselbst der hochbegabte Künstler die Schnellkraft des Fortschritts,den Fluss und die Einheit des Ganzen gefährden, wenn er nichtder Ausführung und all ihren Zweifeln den Entwurf vorauschickt.Schon die Zeit und Mühe der umständlichen Aufzeichnung des ge-sammten Inhalts, dieser Hunderte von Akkorden und Tausendevon Noten, wird den Musiker um die Seele seines Schaf-fens, die Stimmung, bringen.