Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
570
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rechten Festhalten gewinne. Eben in diesen Beziehungen erscheintdas B e e t ho ve nsehe Werk vor allen andern gleicher Gattunglehrreich, gleichviel, was von einigen Einzelheiten in demselben zuurtheilen wäre. Ohnehin handelt es sich ja bei uns nie um Ent-lehnen, Nachahmen fremder Gestaltungen, sondern um die Erkennt-niss und Aneignung des gestaltenden Prinzips, das (wie wir wiederrecht anschaulich erblicken) in allen Künstlern dasselbe ist.

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K. M. v. Webers Karakter-Variationen.

Zu Seite 93.

Eine eigeuthüniliche Seite hat K. M. v. Weber der Variationim höhern Sinn abgewonuen. Während er in einigen Arbeiten dieserArt (z. B. denen aufVien qua, Dorina bella, auf ein norwegi-sches Lied [mit Violinbegleitung], auch wohl denen auf die Romanze:Ich war Jüngling noch aus Mehüls Oper Joseph in Aegyp-ten) nur dem rein-musikalischen Enlwickelungsgang, übrigens in ofteigenthüinlieher und anziehender Weise folgt, scheint er bei zweiandern Werken, den Variationen auf ein russisches (Kosaken-) Liedund denen auf ein Zigeunerlied, von äusserlieh angeregten Vorstel-lungen geleitet worden zu sein, in den einzelnen Variationen Mo-mente aus jenen Lebenszusländen des leicht dahin in alle Weiteziehenden Kriegers (die Komposition datirt aus der Periode der Na-poteonischen und Befreiungskriege, oder doch nicht viel später) unddes nomadischen, von seiner List und Kühnheit in wilder Grazieund Kraft das Leben gewinnenden Zigeunervolks aufgegriffen undin seinen Weisen angedeutet zu haben.

Weder das Detail dieser Vorstellungen, noch ihr Nachweis (so-weit er überhaupt gelingen möchte) gehört hierher. Jedenfalls habensie eine unser Geintith berührende Seile und können folglich zumusikalischer Darstellung anregen, so gut, wie andre Lebenszustände(mau denke an die vielen alla marcia , an die Pastorales oder Si-zilianos u. s. w.) es schon oft gethan*). Weber verdankt ihnenmanche originelle, ja manche ohnedem nicht zu motivirende odersogar unstatthafte Erfindung. Und wenn die Musik von ganzenäussern Lebenszusländen ohne Zweifel nichts aufzufassen vermag,

*) Ein andrer Komponist, L. Berger, hat dasselbe russische Lied (SchöneMinka, ich muss scheiden) geschrieben und ist urkundlich auf ähnlichen Wegengegangen. Eine Variation liberschreibt er ausdrücklichReue de Minka.