Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
556
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beschränkt, noch durch die besondre Richtung desselben zur Einsei-tigkeit und Manier verleitet werden, wie der Mehrzahl der Vir-tuosen stets geschehn ist. Ja, mau muss für den Zweck der Kom-position dem Bewusstsein, der klaren Anschauung von den Kräftendes Instruments vor seiner technischen Bewältigung den Vorzugeinräumen, da jenes über jede Gewöhnung und Vorliebe hinaushebt,diese zum Theil von Zufälligkeiten abhängt (wer kann einem Lisztauch nur technisch gleichkommen ohne die Weite und Schmiegsam-keit seiner Hand?) und schwere Opfer an Zeit und Kraft bedingt.

Dieses Studium muss alle Perioden des Klavierspiels umfassenund aus allen das Wesentliche hervorzuheben trachten. Wesent-lich heisst aber hier, was dem Instrument eine neue Kraft abge-wonnen oder eine schon angeregte zu voller Entfaltung gebrachthat, gleichviel, was man sonst von den Gebilden nach ihrer geisti-gen Höhe und künstlerischen Ausgestaltung zu urtheilen habe, wasman an ihnen liebe oder von sich weise.

Zu beginnen ist dieses Studium nothwendig bei Seb. Bach.Ganz abgesehn vom geistigen Reichthum und der künstlerischenVollendung seiner Werke zeigt sich in ihnen unvermuthet oft soviel Zartheit und Macht des Klangs und eine so reizvolle gediegneSpielfülle, dass ihres Gleichen nicht wiedergekommen ist, wohl aberden spätem Komponisten angemerkt werden kann, ob und wie weitsie sich am Marke des Löwen genährt haben.

Gleich sein Nachfolger am Klavier, Emanuel Bach, fandnach eignem Bekenntnisse den Pfad des Vaters zu steil und kühnund vergnügte sich an freundlichem, bequemem Seitenwegen. Ihmgefiel die fein und sinnig angebrachte Verzierung. In diesen leich-ten einfallartig nach Laune eingestreuten Fiorituren ist er der Vor-gänger Hummels (man blicke in dessen Adagios), wie dieser derkeineswegs zurückstehende Vorgänger Chopins. Hierin aber warschon J. Haydn der Nachfolger Emanuels gewesen, nur mitfreierm und reicherm Geiste und mit einer bisweilen (man betrachteseine grosse £s-Sonate) selbst Mozart voranschreitenden Freiheitund Laune in der Behandlung des Instruments. Der Kompositions-jünger mag sich E. ßachs Studium erlassen; BekannfSchaft miteinigen von Haydns Klavierwerken wird ihm sicher lohnen.

Ueber Mozart und über Beethoven muss und darf ge-schwiegen werden. Ihr Studium ist unbedingt vorauszusetzen, undunziemend wär es besonders, von letztem anders als in wür-digender Fülle zu reden, unmöglich erscheint es, bei ihm Geistes-gehalt und Verkörperung zu sondern.

Während bei beiden, namentlich bei Beethoven, der geistigeGehalt vor der Versinnlichung durchaus den Rang behauptete und